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PROGRAMMDETAIL

Walter Braunfels • Jeanne d’Arc

Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna

Handlung in drei Teilen und einem Vorspiel op. 57 von Walter Braunfels (1882–1954)
Libretto vom Komponisten nach den Prozessakten von 1431

Konzertante Aufführung
Mit deutschen und englischen Übertiteln

AUFFÜHRUNG

  • 01. August 2013, 20:00 Uhr

SPIELSTÄTTE

Felsenreitschule

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Manfred Honeck, Musikalische Leitung
Alois Glaßner, Choreinstudierung
Wolfgang Götz, Einstudierung Kinderchor

BESETZUNG

Juliane Banse, Johanna
Bryan Hymel, Hl. Michael
Pavol Breslik, Karl von Valois
Thomas E. Bauer, Erzbischof von Reims / Florent d'Illiers
Michael Laurenz, Cauchon / Bertrand de Poulengy
Norbert Ernst, Colin, ein Schäfer
Tobias Kehrer, Jacobus von Arc
Johan Reuter, Gilles de Rais
Ruben Drole, Herzog von La Trémouille
Martin Gantner, Ritter Baudricourt
Wiebke Lehmkuhl, Lison, seine Frau
Siobhan Stagg, Hl. Katharina
Sofiya Almazova, Hl. Margarete
Johannes Dunz, Herzog von Alençon
Johannes Stermann, Vicar-Inquisitor
Domen Križaj, Englischer Hauptmann
Salzburger Bachchor
Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
ORF Radio-Symphonieorchester Wien

ZUR PRODUKTION

Mit der Ersteinspielung der Oper Die Vögel begann in den 1990er Jahren die internationale Renaissance des von den Nazis verfemten Komponisten Walter Braunfels (1882–1954), der neben Richard Strauss und Franz Schreker zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik gehörte. Zu Beginn der zwanziger Jahre war er so anerkannt, dass die größten Dirigenten von Fritz Busch bis Hans Knappertsbusch, von Otto Klemperer bis zu Bruno Walter sich buchstäblich um seine Werke rissen. Als Sohn eines jüdischen Vaters als „Halbjude“ gebrandmarkt, wurden mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sämtliche Werke von Walter Braunfels verboten. Seines Amtes als Hochschuldirektor in Köln enthoben, ließ er sich in der Nähe von Überlingen am Bodensee nieder. Deutschland verlassen wollte er nicht, aus der „Überzeugung, dass ich schon durch mein Da-Sein ein Stein war in dem Damm, der gegen den bösen Geist aufgerichtet werden musste, wenn er nicht alles überschwemmen sollte, dann aber auch, weil ich spürte, dass, wenn ich mein Land verließ, ich die wichtigste Wurzel meines Schaffens mit ausrisse.“ In den Jahren der inneren Emigration entstanden unter anderem drei Opern, Die Verkündigung nach Paul Claudel, Der Traum ein Leben nach Grillparzer sowie Jeanne d’Arc. Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna, für die der Komponist selbst das Libretto verfasste. In acht in sich abgeschlossenen Bildern zeichnete er den Lebensweg der Märtyrerin ergreifend nach bis hin zu ihrem Tod in den Flammen. Am Ende verkündet der Chor den Sieg des Glaubens. Die Befreierin Frankreichs ist zwar auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, doch ihr Herz blieb unversehrt – es triumphiert nicht das Böse, sondern die Hoffnung. 1943 vollendet, gelangte diese Oper erst 2001 in Stockholm zunächst zur konzertanten, 2008 dann in Berlin zur szenischen Uraufführung, denn im Unterschied zu Kollegen wie Arnold Schönberg erlebte Braunfels nach 1945 keine Wiedergutmachung ideeller Art. Sein durch die Spätromantik bestimmtes Œuvre passte nicht mehr in das avantgardistische Musikleben der Nachkriegszeit. Einer größeren Öffentlichkeit zugänglich wurde Jeanne d’Arc jedoch erst durch die 2010 erfolgte Veröffentlichung der erwähnten konzertanten Uraufführung unter Manfred Honeck mit Juliane Banse in der Titelrolle auf CD, die mit dem Deutschen Musikpreis Echo Klassik 2011 in der Kategorie „Welt-Ersteinspielung des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Weitere Werke von Braunfels fanden in den vergangenen beiden Jahren vermehrt auf die Bühne oder in den Konzertsaal. In einem Essay über das neuerwachte Interesse an dem verbannten wie verkannten Komponisten schreibt Eva Gesine Baur: „Unter der Schminke der Coolness verbirgt sich heute bei vielen die Sehnsucht nach Passion. Nach Musik, die sie an der Seele packt, die keinen entlässt und jeden mitschleift bis zum Schluss. “

Ronny Dietrich




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