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PROGRAMMDETAIL

Giuseppe Verdi • Giovanna d’Arco

Dramma lirico in einem Prolog und drei Akten
von Giuseppe Verdi (1813-1901)
Libretto von Temistocle Solera (1815–1878) nach dem Drama Die Jungfrau von Orléans von Friedrich Schiller (1759–1805)

Konzertante Aufführung

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer der Oper ca. 2 Stunden und 15 Minuten.

AUFFÜHRUNGEN

  • 06. August 2013, 16:00 Uhr
  • 10. August 2013, 19:30 Uhr
  • 13. August 2013, 19:30 Uhr

SPIELSTÄTTE

Felsenreitschule

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Paolo Carignani, Musikalische Leitung
Walter Zeh, Choreinstudierung

ZUR PRODUKTION

Gleich drei Mal fand die französische Heilige Jeanne d’Arc in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Weg auf die italienische Opernbühne. Als Verdi im Winter 1844/45 seine Giovanna d’Arco komponierte, waren ihm bereits Nicola Vaccai (1827) und Giovanni Pacini (1830) vorausgegangen. Der Stoff bot nicht nur die reizvolle Möglichkeit, das Porträt einer charismatischen Protagonistin mit den effektvollen Elementen eines kriegerischen Sujets zu verbinden; in der Zeit des erstarkenden Risorgimento war die Geschichte des Bauernmädchens aus Domrémy, das sich zur Befreierin ihres Vaterlandes aufschwingt, auch geeignet, patriotische Gefühle anzusprechen.
Temistocle Solera verfasste das Libretto und orientierte sich dabei an Schillers „romantischer Tragödie“ Die Jungfrau von Orleans. Wie im Schauspiel stirbt Giovanna nicht auf dem Scheiterhaufen, sondern – historisch unrichtig – auf dem Schlachtfeld. Ansonsten ging Solera mit seiner Vorlage sehr frei um: Dass sich Giovanna in einen Soldaten der feindlichen Engländer verlieben sollte, schien ihm ihrer nicht würdig, und so machte er sie zur Angebeteten des französischen Königs. Durch Carlo VII gerät Giovanna in Konflikt zwischen erotischer Neigung und ihrer göttlichen Mission, für das Vaterland in den Kampf zu ziehen – einen Konflikt, den Solera durch die Einflüsterungen übernatürlicher Instanzen versinnbildlicht. Neben Giovanna und Carlo bleibt aus Schillers zahlreichen dramatis personae nur eine dritte Hauptfigur übrig, Giovannas Vater: Von fanatischer Bigotterie besessen, sieht Giacomo in Giovannas „verrückter Liebe zum König“ ein Indiz, dass sie im Bund mit dem Bösen steht und schreckt nicht davor zurück, seine Tochter den Engländern zuzuspielen.
Solera schnitt das Libretto ganz auf die Starsopranistin Erminia Frezzolini zu, und Verdi bot ihr alles, was sie an weitgeschwungenen Melodien und delikaten Verzierungen erwarten durfte. Noch weitgehend als Melodramma gestaltet – der letztlich immer auch der „schönen Melodie“ verpflichteten Sängeroper, wie man sie mit Bellini oder Rossini verbindet –, blitzt doch schon eine neue Auffassung von Musiktheater auf, die die Melodie flexibler und präziser in den Dienst einer konkreten dramatischen Situation stellt und ihr eine neue Dringlichkeit und Kraft des Ausdrucks verleiht: eine Auffassung, die sich in Verdis folgenden Opern zunehmend Bahn brechen sollte. Der Komponist selbst erachtete Giovanna d’Arco übrigens – trotz Nabucco und Ernani – für sein bis dahin gelungenstes Werk.

Christian Arseni




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