Gert Voss
Gert Voss wurde 1941 in Shanghai geboren und nicht zuletzt durch seine Interpretationen der wichtigsten Shakespeare-Rollen weltberühmt: Puck (Ein Sommernachtstraum, Regie: Alfred Kirchner, Stuttgart, 1977), Camillo (Das Wintermärchen, Regie: Claus Peymann, Bochum, 1977), Angelo (Maß für Maß, Regie: Bernhard Klaus Tragelehn, Stuttgart/Bochum, 1979), die Titelrolle in Richard III., (Regie: Claus Peymann, Wien, 1986), Prospero (Der Sturm, Regie: Claus Peymann, Wien, 1988), Shylock (Der Kaufmann von Venedig, Regie: Peter Zadek, Wien, 1988), die Titelrolle in Othello (Regie: George Tabori, Wien, 1990), die Titelrolle in Macbeth (Regie: Claus Peymann, Wien, 1992), Marc Anton (Julius Caesar, Regie: Peter Stein, Salzburger Festspiele, 1992), Antonius (Antonius und Cleopatra, Regie: Peter Zadek, Wiener Festwochen, 1994), die Titelrolle in König Lear (Regie: Luc Bondy, Wien, 2007).
Gert Voss studierte Germanistik und Anglistik, erhielt von 1964 bis 1966 privaten Schauspielunterricht bei Ellen Mahlke in München und erste Engagements am Stadttheater Konstanz, am Staatstheater Braunschweig und am Residenztheater München sowie von 1972 bis 1979 am Staatstheater Stuttgart unter Hans-Peter Doll. Dort war er u.a. in der Titelrolle in Woyzeck von Georg Büchner (Regie: Alfred Kirchner, 1976), in der Titelrolle in Tartuffe von Molière (Regie: Valentin Jecker, 1977) sowie als Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug (Regie: Alfred Kirchner) zu sehen. Ab 1974 verband ihn eine enge Zusammenarbeit mit Claus Peymann, mit dem er 1979 an das Schauspielhaus Bochum ging, wo er u.a. in der Rolle des Hermann in der Hermannsschlacht von Heinrich von Kleist (1982) zu sehen war. Von 1984 bis 1986 war Gert Voss außerdem auf Gastspielen in Köln, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, in Stuttgart und bei den Salzburger Festspielen zu erleben. 1986 wechselte er mit Claus Peymann ans Burgtheater, wo er u.a. in Ritter, Dene, Voss von Thomas Bernhard (Regie: Claus Peymann, 1986), in Iwanow von Anton Tschechow (Regie: Peter Zadek, 1990) und als Mr. Jay in Die Goldberg Variationen (Regie: George Tabori, 1992) zu sehen war. Von 1993 bis 1996 gestaltete er zahlreiche Rollen in Berlin, zunächst mit Peter Zadek am Berliner Ensemble, dann an der Schaubühne Berlin, u.a. den Magier Teddy Brooks in Der Illusionist von Sacha Guitry (Regie: Luc Bondy, 1995). Ab 1996 war Gert Voss erneut Ensemble-Mitglied am Burgtheater. Von 1995 bis 1998 gab er Hugo von Hofmannsthals Jedermann bei den Salzburger Festspielen.
Gert Voss führte am Burgtheater Regie u.a. bei Das letzte Band von Samuel Beckett (1999), bei Die Zofen von Jean Genet (2001) und bei The Sunshine Boys von Neil Simon (2003). Zu seinen Rollen am Burgtheater zählen etwa Herrenstein in Elisabeth II. von Thomas Bernhard (Regie: Thomas Langhoff, 2002), Barrabas in Der Jude von Malta von Christopher Marlowe (Regie: Peter Zadek, 2002), Solneß in Baumeister Solneß von Henrik Ibsen (Regie: Thomas Ostermeier, 2004), die Titelrolle in Friedrich Schillers Wallenstein (Regie: Thomas Langhoff, 2007), Mephisto in Faust von Johann Wolfgang von Goethe (Regie: Matthias Hartmann, 2009) und Einfach kompliziert von Thomas Bernhard (Regie: Claus Peymann, 2011). Neben der Theaterarbeit auch zahlreiche Filmarbeiten.
Gert Voss wurde mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring und der Kainz-Medaille. 1989 wurde ihm das österreichische Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, 1992 der Fritz-Kortner-Preis. In der Zeitschrift Theater heute wurde er sechsmal zum Schauspieler des Jahres gewählt und 1995 von der Times zum Besten Schauspieler gekürt. 1997 erhielt Gert Voss den Preis des Internationalen Theaterinstituts ITI und wurde 1998 zum Kammerschauspieler ernannt. 2000 wurde er mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet und 2001 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen.