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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„Klappe zu – Affe tot“ oder „Fenster zu – Vogel tot“?

23 JUL 2011

by Marlis Petersen  11:17 h;
veröffentlicht in: Oper

Marlis Petersen, Foto: Mavropoulos
(Zitat von „Heli“, dem Technikchef von Le nozze di Figaro)

Diese Figaro-Inszenierung ist keine, aus der man raus kommt und sagt: „Mensch, war das ein schöner, heiterer Abend!“

Claus Guth zeigt hier die Abgründe des Menschlichen, hält uns den Spiegel vor, was unsere Beziehungen betrifft und trifft uns ins Mark, wenn wir das zulassen.

Wenn Susanna im Spannungsfeld von Figaro und Graf steht, dann ist das nicht Komödie, sondern wahrhaftige Zerrissenheit.

Es schwingt in jedem Moment eine Form von Vergänglichkeit mit: der Tod im Leben, das Ende einer Liebe … Schlusspunkte, die nötig sind, um wieder einen Neubeginn zu wagen.

Dieses „Marode“ hat Christian Schmidt auf seiner Bühne in Form von „toten Vögeln“ für uns sichtbar gemacht. Sie werden in jedem Akt mit Bedacht von unseren Requisiteuren Olivia und Johannes an Ort und Stelle gebracht, sodass sie von den Sängern bespielt werden können.

Figaro und Graf schmeißen die Krähen immer wieder aus dem Fenster, aber sie kommen zurück und bleiben als dunkle Seite der Geschichte präsent.

Der Engel, die surreale Figur im Stück, scheint aus dem Licht zu kommen – so denken wir uns ja die Engel –, aber eigentlich ist er derjenige, der das Vergängliche in den Figuren etabliert. Er ist die Schlange, die Versuchung, die uns in den Apfel beißen lässt – diese Früchte bringt er ja gleich bei seinem Eintritt in die Geschichte mit!

Magie und Zwischenland sind die Protagonisten dieser Inszenierung, wir Sänger Spielbälle in ihrem Spiel, aufbegehrend oder sich fügend in die Energien, die uns sowieso dorthin bringen, wo wir gemeint sind.

Ich bin mir sicher, Mozart hat das alles gewusst!

Marlis Petersen

PS: Wir freuen uns auf die Generalprobe im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung am 24. Juli!

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