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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Liebe Freunde … Ich darf mich kurz vorstellen

1 AUG 2011

by Erich Schagerl  15:00 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

Erich Schagerl
Erich Schagerl ist mein Name – ich bin seit 1979 im Orchester der Wiener Staatsoper und bei den Wiener Philharmonikern (Mitglied seit 1983, nach der üblichen 3-jährigen Probezeit). Mein Lehrer war Franz Samohyl in Wien. Begonnen habe ich bei den Zweiten Geigen, bis ich 1984 das Probespiel zur Ersten Violine gewann. Bei den Salzburger Festspielen wirke ich seit 1980 mit, also komme ich heuer schon zum 32. Mal in die schöne Mozartstadt!

Manche fragen sich sicher, wie und wo wir Musiker in dieser Zeit wohnen: Es will schon gut organisiert und vorbereitet sein, wenn man mit Kind und Kegel für eineinhalb Sommermonate angenehm residieren möchte. So habe ich auch sechs Sommer in verschiedenen Wohnungen verbracht, bis die wachsende Familie den Entschluss fasste, in Salzburg eine kleine, hübsche Wohnung zu kaufen – und diesen bereuen wir nicht. (Wir verbringen ja auch des Öfteren die Mozartwoche im Jänner dort.)

Heuer stehen für mich Die Sache Makropoulos und Don Giovanni sowie die Konzerte mit Thielemann, Jansons und Welser-Möst auf dem Programm, darüber wird’s dann auch was zu erzählen geben!

In diesen 32 Jahren haben sich eine ganze Menge schöner Erlebnisse und Erinnerungen angesammelt. 1980 etwa war Dr. Otto Sertl Generalsekretär der Festspiele. Ich kannte ihn schon, da wir im Jahr 1974 zusammen beim Internationalen Streichquartettwettbewerb der EBU in Stockholm waren. Mit dem Franz-Schubert-Quartett gewannen wir dort den Ersten Preis. Sertl hat sich besonders für die zeitgenössische Musik eingesetzt und verdient gemacht, etwa wurde Kreneks Karl V. konzertant gespielt. Ich erinnere mich noch gut an den Hoffmann mit Domingo, Levine hat dirigiert. Für mich war das bis jetzt die stimmigste Umsetzung, Bühne und Regie. Ja, und da war die Kinderzauberflöte von Christian Bösch (auch Levine), Maazel machte die Entführung. Und ich wohnte damals mit meiner Frau am Wolfgangsee, das war sehr schön, damals bin ich noch gerne Auto gefahren …

1981 stirbt Karl Böhm zwei Wochen vor seinem 87. Geburtstag. Im Salzburger Dom wird zu seinem Gedächtnis das Mozart-Requiem gespielt; es dirigiert James Levine, der von manchen Festspielbesuchern als legitimer Erbe Böhms angesehen wird – Levines Vorliebe für das Mozart-Repertoire mag diese Einschätzung stützen. Nach acht Jahren Unterbrechung gibt es endlich wieder eine Opernuraufführung, Friedrich Cerhas Baal mit Theo Adam in der Titelpartie und Christoph von Dohnányi am Pult, bemerkenswert auch deshalb, weil es sich um eine Koproduktion mit der Wiener Staatsoper handelte; während es in den Gründerjahren der Festspiele noch gang und gäbe war, dass in Wien und Salzburg dieselben Inszenierungen gezeigt wurden, trat diese Praxis mit der Nachkriegszeit außer Kraft. Verdis köstliches Alterswerk Falstaff ist Herbert von Karajans Beitrag zum Sommerprogramm; mit Giuseppe Taddei und Rolando Panerai als Falstaff und Ford hat er sich für eine reifere Besetzung entschieden – zu Recht, zünden die beiden Herren doch ein Feuerwerk komödiantischer Einfälle. Claus Peymann kehrt zu den Festspielen zurück: Mit der Uraufführung von Thomas Bernhards Am Ziel ist er ebendort angelangt.

Da war also Herbert von Karajan, von dem ich einige Opern in besonders intensiver Erinnerung habe, ganz besonders diesen Falstaff. Man konnte die Spannung fühlen, riechen. Es war ein großes Erlebnis für mich als Streicher hier die volle Palette an Farben und Ausdruck geben zu müssen. Seine Proben waren wirklich enorm produktiv und beschränkten sich oft auf das, was ihm wichtig war, nämlich Farben und Dynamik, und somit waren sie meist auch nicht so lang. Seine Arbeit mit den Sängern war sowieso immer sehr interessant und lehrreich für uns Streicher. Soviel erst einmal für heute.

Erich Schagerl

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