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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Cleopatras Staat – Kostümbildner Agostino Cavalca im Gespräch

10 JÄN 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  09:00 h;
veröffentlicht in: Oper

Agostino Cavalca, Christa Lamberz, Foto: Renate Bienert
Agostino Cavalca, Kostümbildner der Produktion Giulio Cesare in Egitto, war vor Weihnachten in Salzburg, um mit dem Team der Abteilungen Kostüm & Maske der Salzburger Festspiele seine Entwürfe zu besprechen. Cavalca arbeitet bereits seit 17 Jahren mit Patrice Caurier und Moshe Leiser, dem Regieduo dieser Produktion, zusammen. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Christian Fenouillat und dem Lichtdesigner Christophe Forey haben sie als fixes Leading Team bereits viele erfolgreiche Opernproduktionen gestaltet. Die Zusammenarbeit funktioniert deswegen perfekt, sagt Cavalca, „weil wir unsere Ideen ganz offen aussprechen und miteinander diskutieren können“.

Giulio Cesare erlebte seine Uraufführung am 20. Februar 1724 im Haymarket-Theater in London, das unter der künstlerischen Leitung Händels über die besten Sänger der damaligen Zeit verfügte. Das kann man ohne Zweifel auch von der Salzburger Besetzung – Cecilia Bartoli, Anne Sofie von Otter, Andreas Scholl, Philippe Jaroussky u.a. – behaupten. Mit Cecilia Bartoli hat Agostino Cavalca auch schon mehrfach zusammengearbeitet (Il turco in Italia, Clari, Otello).

Zum ersten Mal an einer Salzburger Produktion beteiligt, erzählt der gebürtige Italiener von den Stationen seiner internationalen Karriere. Ursprünglich hat er im Theater begonnen – Goethe, Shakespeare, Racine –, bald kam er über London und Berlin nach Paris, wo er bereits seit 1980 lebt. Dementsprechend multilingual ist auch das Meeting mit dem Festspielteam – auf englisch, italienisch, deutsch, französisch und sogar russisch schwirren die Ideen durch den Raum.

Heute ist der Kostümbildner aber ganz der Oper verpflichtet und überzeugt, dass „für Sänger die Herausforderungen noch größer sind als für ihre Theaterkollegen: Heutzutage müssen sie hervorragend singen können und auch noch phantastische Darsteller sein.“ Um ihnen das zu ermöglichen, kreiert er Kostüme, die besonders gut tragbar sind und den Sängern die körperlichen Anforderungen ermöglicht. „Die Sänger sollen alles geben und vor allem ihren Charakter zeigen können.“ Anhand der Rolle der Cornelia erklärt Cavalca, was er damit konkret meint: „Den Ausdruck ,Costume Designer‘ finde ich eigentlich überkommen, ich verstehe mich mehr als ,Designer von Charakteren‘. Für Cornelia etwa habe ich ein Kostüm entworfen. Dieses wird aber mehrfach angefertigt, denn es durchlebt – wie die Person auch – unterschiedliche Stadien. Zuerst tritt Cornelia als elegante Dame auf, durch den Verlauf der Ereignisse wird ihr Kostüm schmutzig und zerrissen. Die Kostüme entwickeln sich auch bei anderen Figuren mit den Charakteren und den Situationen, in denen Sie sich befinden. Giulio Cesare ist ein Werk mit vielen Gegensätzen: Ost trifft auf West, Liebe auf Hass, Romanze auf Tod, und viele Figuren erleben schicksalshaft den Fall von ganz oben, von einer guten Position zum kompletten Kollaps. All das versuche ich auch, in meinen Kostümen zu transportieren.“

Cavalcas Herangehensweise ist ein kreativer Prozess: Die grundsätzlichen Ideen werden jetzt entwickelt, die Feinarbeit wird während der Probenarbeit in Salzburg vorgenommen. Mit im Gepäck hat er zahlreiche großformatige Mappen, die er als seine „Style Bibles“ bezeichnet. Darin sammelt er Fotos, Abbildungen von Gemälden, Ausschnitte aus Werbungen und Texte zu den historischen Figuren. Aus diesem „Gedankenuniversum“ heraus entstehen die Entwürfe für die Kostüme. Welche Figur Cavalca am meisten bei seinen bereits 6-monatigen Vorbereitungen ans Herz gewachsen ist, haben wir versprochen, nicht zu verraten. Aber seine sprühenden Schilderungen zur Oper verraten: Er hat zu allen eine innige Beziehung.

Giulio Cesare feiert am 25. Mai 2012 Premiere. Die Vorstellungen bei den Pfingstfestspielen sind bereits ausverkauft. Für die Aufführungsserie im Rahmen der Sommerfestspiele können Sie hier Karten bestellen.

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