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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Begehrte Carmen

28 FEB 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  12:10 h;
veröffentlicht in: Oper

Gabrielle Dalton (Kostüme)

Georges Bizets Oper Carmen ist nicht nur eine der meistgespielten, sondern im kommenden Sommer auch eine der meistbegehrten Opern. Die Kostümbildnerin dieser Koproduktion mit den Osterfestspielen, Gabrielle Dalton, war in den letzten Monaten regelmäßig zu den Produktionsvorbereitungen in Salzburg. Mit dem Festspielkiebitz unterhielt sie sich über ihre Arbeit.

Gabrielle Dalton studierte am Middlesex Polytechnic Ivy House – London University „Dramatic Art“. Seit 20 Jahren zeichnet die erfolgreiche Engländerin verantwortlich für die Kostüme bei Opern am Grand Théâtre de Bordeaux, der Opera Pacific/ California oder am Royal Opera House. An der Opera North hat sie bereits im Jahr 2011 Kostüme für Carmen kreiert. „Gerade diese Oper stellt als eines der meistgespielten, vorstellungsbehafteten und sehr visuell angelegten Bühnenwerke für einen Kostümbildner eine besondere Herausforderung dar. Natürlich wird die Salzburger Carmen – schon alleine aufgrund der Zusammenarbeit mit Aletta Collins – ganz anders werden. Aber es ist ein großer Vorteil, dass ich die Charaktere schon so gut kenne, wobei viele Ansätze aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden.“

Die Regisseurin hat sich etwa besondere Gedanken darüber gemacht, warum gerade am Beginn der Oper so viele Soldaten vorkommen. Auch wenn das Libretto in Sevilla um 1820 spielt, sei es schlüssig, die Inszenierung im Spanischen Bürgerkrieg der 1930er anzusiedeln. „Der Krieg entzweite nicht nur die spanische Gesellschaft als Ganzes, sondern sogar einzelne Familien. Feindbilder wurden geschaffen oder wiederbelebt, alte Ordnungen zerstört und neue etabliert. Ich glaube, dass diese gesellschaftliche Dynamik sehr hilfreich ist, um die Geschichte von Carmen zu erzählen. So lässt sich etwa die Präsenz der Soldaten im ersten Akt besser verstehen, wenn man davon ausgeht, dass die Zigarettenfabrik unter militärische Kontrolle gestellt wurde, in der viele Frauen, auch Carmen, angehalten sind, zu arbeiten. Die Zigeuner, die in Carmen eine so große Rolle spielen, sind Teil dieser Gesellschaft. Weil jedoch alles im Umbruch ist, entstehen gewisse Freiräume, die sie als Außenseiter für ihre Interessen nutzen“, erzählte dazu Aletta Collins in einem Interview mit Peter Blaha.

Die erste Zusammenarbeit von Gabrielle Dalton mit der Regisseurin fand 2004 mit The Barber of Seville an der Savoy Opera, London statt. Kennengelernt haben sich die beiden aber schon Jahre davor, als Dalton bei einer Produktion einem Regisseur, der zugleich für die Kostüme verantwortlich war, assistierte und Aletta Collins dessen Regieassistentin war. Seit diesem Zeitpunkt bilden die beiden zwar kein fixes Leading Team, aber arbeiten immer wieder zusammen.

Für Aletta Collins, Tänzerin, Choreografin und Künstlerische Direktorin ihrer eigenen Dance Company, hat Tanz naturgemäß auch bei der Inszenierung der Oper eine wichtige Rolle. Auch wenn keine Balletteinlagen als unterbrechende Divertissements im Stile der Grand opéra eingefügt werden, sind choreografierte Bewegungen in die Handlung integriert. So wird eine Gruppe aus 15 Tänzern als Schatten von Carmen erscheinen – eine spezielle Herausforderung an das Design und die Fertigung der Kostüme. Bei unserem Treffen in Salzburg wirkt Dalton allerdings völlig entspannt, wenngleich sie zugibt, dass sie „spätestens bei den Endproben von Lampenfieber gepackt“ wird. Kein Wunder, wird es doch bei Carmen etwa 500 Kostüme geben, was rasche Umzüge im Backstagebereich erforderlich macht. All das ist beim Kostümdesgin mitzubedenken, damit die Aufführung trotz aller Hektik reibungslos funktionieren kann.

„Besonders herausfordernd ist für mich, dass mit Carmen eine enorm starke, weibliche Figur im Zentrum steht. Magdalena Kožená ist keine typische Carmen, wobei ich das besonders spannend finde. Das Publikum wird überrascht sein, wie wir sie präsentieren.“ Die Produktion wird definitiv keine „Klischee-Carmen“ werden. Dalton sammelte über Monate aus vielerlei Quellen Fotos und Assoziationen zu dieser Zeit. Sie konnte auf Fotomaterial aus den 1930er Jahren zurückgreifen und hat speziell zu dieser Zeit in Spanien recherchiert, im Rahmen einer Reise vor Ort Eindrücke gesammelt und für den letzten Akt der Oper eine Stierkampfarena besucht. „Auch Vintage-Kleider aus den 1930er Jahren habe ich gesichtet. Vieles davon muss natürlich nachgeschneidert werden, weil die Stoffe brüchig sind.“

Die Produktion hat bei den Salzburger Festspielen am 14. August 2012 Premiere. Die Vorstellungen von Carmen bei den Salzburger Festspielen im August 2012 sind bereits ausverkauft. Für die Carmen-Vorstellung im zweiten Zyklus der Osterfestspiele gibt es noch Restkarten.

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