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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Kleopatra und die Schlange

5 MÄR 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  10:33 h;
veröffentlicht in: Konzert, Pfingsten

Rodion Shchedrin (Foto: Schott Archiv/Peter Andersen)

Die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele stehen thematisch im Zeichen der Königin Cleopatra. Der große russische Komponist Rodion Shchedrin wurde beauftragt, zu diesem Mythos ein Werk  zu verfassen. In seiner Erzählung vereint er Altes mit Neuem, holt sich Inspiration von Shakespeare und lässt Anna Netrebko in ihrer Muttersprache singen. Die Mini-Oper bietet eine universale Geschichte mit großem Schauspiel und frischen Texten. Brigitte Kempen (Opernglas) traf Rodion Shchedrin in München und entlockte ihm mehr zu dieser bevorstehenden Uraufführung.

BK: Die diesjährigen Salzburger-Pfingstfestspiele drehen sich thematisch um die ägyptische Königin Cleopatra, werden mit Händels „Giulio Cesare in Egitto“ beginnen und mit der Uraufführung einer Cleopatra-Oper aus der Feder von Rodion Shchedrin enden. Interessiert Sie die ägyptische Königin schon seit langem, oder ist Ihr Cleopatra-Stück ein spezieller Auftrag für diese Festspiele und thematisches „Neuland“?

RS: Cecilia Bartoli ist ja jetzt die Chefin dieser Pfingstfestspiele, und dieses Thema war ihre Idee. Im ersten Moment war meine Reaktion auf die Anfrage beinahe erschrocken abwehrend. Über Cleopatra ist schon so viel geschrieben worden, sie ist ein Mythos, wurde von großen Künstlern gemalt und ist sogar ein Kinostar. Und jetzt sollte ich etwas Altes und zugleich Neues mit meiner Komposition über sie erzählen. Aber ich glaube, ich habe ein interessantes Konzept gefunden. Ich habe „Antonius und Cleopatra“ von Shakespeare herausgesucht in der russischen Bearbeitung von Boris Pasternak – das ist ausgezeichnet gemacht. Der Klavierauszug der Gesamtkomposition liegt schon gedruckt vor beim Schott-Verlag. Das Stück heißt jetzt „Cleopatra und die Schlange“ und ist eine dramatische Szene für Sopran und Symphonie-Orchester. Quasi eine Mini-Oper für nur eine Sängerin.

BK: Als Sängerin der Uraufführung wird Anna Netrebko genannt. Haben Sie schon einmal mit ihr zusammen gearbeitet? Hat sie an dem Entstehungsprozess mitgewirkt?

RS: Zusammen gearbeitet haben wir bisher noch nicht, aber wir haben uns schon einmal vorher getroffen. Ich kenne natürlich ihre fantastische Stimme, und ich denke, meine Komposition passt gut dazu.

BK: Wird Cleopatras Monolog ein Rückblick sein, das Stimmungsbild einer Momentaufnahme oder eine Vision von dem, was kommen wird?

RS: Es ist der wichtigste Moment der Shakespeare-Geschichte, der Vollzug eines Selbstmords, eine große Tragik, die auch die Maler alter Bilder beschäftigt hat.

Die Konfrontation der Königin mit der Schlange ist konzentrierte Dramatik, die letzte Entscheidung, die letzte Entscheidung ihres Lebens. Für mich als Komponist ist die Umsetzung dieses Moments in Klänge, Rhythmen und Melodien eine interessante Herausforderung.

BK: Cleopatra ist nun kein russischer Charakter, wird aber auf Russisch singen. Wie passt das zusammen? Macht der Gegensatz der Kulturen den Reiz dieser Kombination aus?

RS: Cleopatras Geschichte ist eine universale Geschichte. Es geht um Macht, um Liebe, um Tod – das ist doch eine international relevante Situation. Und der Text ist sehr frisch, sehr interessant, bietet großes Schauspiel, das ein Schriftsteller wie Pasternak kongenial konzipiert hat. Es ist wirklich eine Mono-Opera, eine kleine Oper von 15 Minuten – und das ist auch genug, dann bleibt die Aufmerksamkeit des Publikums konzentriert und sensibilisiert.

BK: Wenn diese Oper wie ein Kammerspiel konzipiert ist, ist dann auch die Orchesterbesetzung klein?

RS: Nein, es spiel ein ganz normales klassisches Orchester. Sie kennen Francis Poulencs La voix humaine, eine kurze Oper mit einer Solistin und großem Orchester, vielleicht 45 Minuten lang. Meine Cleopatra basiert auf einer ähnlichen Idee – nur ohne Telefon...

BK: Von wem ging die Initiative aus, Sie mit dieser Komposition zu beauftragen?

RS: Cecilia Bartoli hat die Festspiel-Thematik ausgewählt, Valery Gergiev aber war der Initiator für meinen Auftrag und wird die Uraufführung neben anderen Konzerten, die er bei den Pfingstfestspielen leiten wird, auch dirigieren. […]

Das Werk Kleopatra i zmeja (Kleopatra und die Schlange) wird am Montag, 28. Mai 2012 um 18.00 Uhr im Großen Festspielhaus uraufgeführt. 

Nähere Informationen finden Sie hier.


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