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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Schauspiel sprengt Sprachgrenzen

11 MAI 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  11:26 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Irina Brook und Sam Shepard (Fotos: Patrick Lazic)
„Meine erste Begegnung mit Irina Brook fand im Bouffes du Nord, dem legendären Theater ihres Vaters Peter Brook statt, in dem Der Sturm von William Shakespeare gezeigt wurde. Ich spreche überhaupt kein Französisch – und war hingerissen!!! Verständigungsbarrieren? Nicht bei diesem Stück, das bildreich und poetisch zugleich aber auch komisch erzählt wird. Die Schauspieler aus Italien, Frankreich, Australien und Polen, sind nämlich zugleich auch virtuose Komiker, Clowns, Musiker, Sänger und Tänzer! Der Sturm ist vermutlich das letzte Stück, das Shakespeare für die Bühne geschrieben hat. Er verabschiedet sich in der Figur des Prospero, des Zauberers und Herrschers über eine kleine Insel, endgültig von seinem Theater, seinem Genie, seinem tätigen Leben. Er zerbricht den Stab und schlägt das Zauberbuch endgültig zu. Ergreifender hat sich wohl kaum je ein Dichter von seinem Publikum verabschiedet.

Aber auch Peer Gynt von Henrik Ibsen ist definitiv einen Besuch wert. Der junge Peer, ein Aufschneider, maßloser Lügner und Phantast, verlässt nach dem Tod seiner Mutter das Norwegen seiner Kindheit, verlässt eine Märchenwelt, bevölkert von Trollen und unheimlichen Gestalten, vor allem aber verlässt er seine Jugendliebe Solveig. Es treibt ihn in hinaus durch die ganze Welt, rastlos ist er auf der Suche nach sich selbst. Als alter Mann kehrt er zurück, ohne sich gefunden zu haben. Das Ich, resümiert er, ist eine Zwiebel. Man schält Haut um Haut – aber kein Kern kommt zum Vorschein.  Alles scheint ihm sinnlos geworden zu sein, bis er vor der Tür ihrer Hütte Solveig wieder begegnet, die ein Leben lang still auf ihn gewartet hat. In ihrem Schoß schläft er ein und stirbt.

Auch bei Peer Gynt arbeitet Irina Brook mit einer internationalen Besetzung: der indischen Tänzerin und Schauspielerin Shantala Shivalingappa als Solveig und dem isländischen Schauspieler Ingvar E. Sigurdsson als Peer sowie weiteren Künstlern aus dem Libanon, Japan, Frankreich, Australien und Italien. Wieder werden Akrobatik, Bilderreichtum und Musik im Vordergrund stehen und diesen „norwegischen Faust“ für  jedes Publikum der Welt leicht verständlich machen. Ganz besonders macht diesen Peer Gynt auch der Verfasser der Song-Texte und Gedichte: Sam Shepard.

Die gesprochenen Texte werden für alle Fälle in deutscher Sprache übertitelt, so dass Sie jederzeit wissen, was gesprochen wird. Ich glaube nur schon jetzt, dass Sie wenig Gebrauch davon machen werden! Diese Inszenierungen sollen zeigen, dass unsere Nachbarn in der ganzen Welt uns bereichern können. Wenn wir dafür bereit sind.

Es würde mich sehr freuen, wenn es mir gelungen ist, Sie neugierig zu machen!“

Sven-Eric Bechtolf


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