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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Dramaturg Wolfgang Wiens verstorben

18 MAI 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  10:55 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Wolfgang Wiens (Foto: Arno Declair)
Der Theatermacher Wolfgang Wiens verstarb am vergangenen Mittwoch in Hamburg. Zuletzt arbeitete er gemeinsam mit Andrea Breth an Kleists Prinz Friedrich von Homburg für die Salzburger Festspiele. Wolfgang Wiens galt als einer der profiliertesten Dramaturgen des deutschsprachigen Theaters, der im Laufe seiner Karriere an nahezu allen renommierten Häusern engagiert und künstlerisch eng mit Theatergrößen wie Robert Wilson, Andrea Breth oder Jürgen Flimm verbunden war. Überdies war Wolfgang Wiens auch als Übersetzer tätig.

Geboren wurde Wolfgang Wiens 1941 in Stettin. Nach seinem Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Frankfurt, Berlin und Wien arbeitete er von 1966 bis 1969 zunächst als Dramaturg und Regisseur am legendären Frankfurter TAT, wo er zwischen 1971 und 1974 überdies Direktoriumsmitglied wurde. Dazwischen hatte er auf die verlegerische Seite gewechselt und war 1969/70 Lektor und Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten Verlags der Autoren. Aber die praktische Theaterarbeit ließ Wiens nie los. Nach seinem Engagement in Frankfurt wechselte er 1974 ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg, wo er bis 1977 als Dramaturg tätig war und mit Theatergrößen wie Luc Bondy und Jürgen Flimm zusammenarbeitete. Nach Zwischenspielen am Schauspiel Frankfurt (1977/78) sowie am Bremer Theater (1978–1981) wurde Wiens Dramaturg am Schauspiel Köln, wo er bis 1985 blieb und mit Jürgen Flimm anschließend ans Hamburger Thalia Theater wechselte. Aus dieser Zeit stammt auch die enge Zusammenarbeit mit Kultregisseur Robert Wilson, für den er zahlreiche Inszenierungen mit begleitete, darunter Civil Wars, Salome, Black Rider oder Dantons Tod. Nach seiner Zeit in Hamburg wurde Wiens 1989 Dramaturg und Mitglied der künstlerischen Leitung an der Berliner Schaubühne, bevor er 1994 als Chefdramaturg ans Thalia Theater zurückkehrte.

Der Wechsel nach Wien erfolgte spät. 1999 bis zu seiner Pensionierung 2006 war der erfahrene Theatermann Wolfgang Wiens am Burgtheater als leitender Dramaturg beschäftigt. In Co-Regie mit Sven-Eric Bechtolf zeichnete er dort etwa für die Inszenierungen von Clare Boothe Luces Damen der Gesellschaft verantwortlich oder auch für Radio Noir von Albert Ostermaier. In den letzten Jahren arbeitete Wiens schließlich als freier Dramaturg u.a. für Robert Wilson und Andrea Breth. Mit letzterer konzipierte er ihre aktuelle Inszenierung von Heinrich von Kleists Prinz Friedrich von Homburg, die am 28. Juli bei den Salzburger Festspielen Premiere hat und in der Saison 2012/13 ans Burgtheater kommt. „Der plötzliche Tod von Wolfgang Wiens erschüttert mich sehr“, zeigte sich Andrea Breth am Donnerstag in einer Reaktion betroffen: „Er war mir ein besonderer Freund und der wichtigste vor- und nachdenkende Begleiter unserer beider Arbeiten. Den Prinzen von Homburg haben wir eine lange Zeit gemeinsam vorbereitet, nun bleibt uns allen nur noch, ihm diese Arbeit zu widmen. Er fehlt nicht nur mir, sondern dem gesamten deutschsprachigen Theater.“

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