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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Blogbucheintrag 0.3 – Salzzeit P.01 – 2. junger Offizier – Monostatos – Parpignol – YSP

16 AUG 2012

by Paul Schweinester  10:49 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Paul Schweinester (Foto: Hans Schubert)
Zu allererst, die Pferde sind da!!! Und wie ich schon zu vermuten wagte, riecht die Felsenreitschule jetzt wieder wie ein Stall (Ich nehme mal schwer an, dass ihr ursprünglicher Sinn zum Teil wieder erfüllt wird.)

Nach der ersten dreistündigen Probe mit diesen sieben Kaltblütern glich der Trakt, in dem wir mit den Pferden schauspielerisch leben, einer Sauna mit Pferdeaufguss. Gefühlte 28°, Luftfeuchtigkeit bei 90% und alles, was zu einem Pferdeleben dazu gehört, waren vorzufinden, um die Atmosphäre authentisch zu beschreiben. Und das wird dem Publikum beim Eintreten in den Zuschauerraum sicherlich nicht entgehen, wenn auch nicht so intensiv. Es bleibt zu hoffen, dass die Allergikerdichte im Publikum nicht zu hoch ist. Uns ist es jedoch auch erlaubt, an die Tiere heranzutreten, und so ließ ich mich nicht lumpen und habe meinem auserwählten Lieblingstier namens Wanda in der Pause dieser Probe aus dem Restaurant Triangel einen Leckerbissen mitgebracht. Der Apfel wurde in der zweiten Hälfte der Probe sofort spielerisch eingesetzt, und der Pferdetrainer war ganz angetan von meinen so menschlichen (oder tierischen) Zügen.

Die Proben sind wirklich weit vorangegangen und wenn ich im Zuschauerraum säße, würde ich bestimmt erstarren vor den starken Bildern, die hier szenisch in Koppelung mit der Musik gezeichnet werden.

Gespannt kann man auch wirklich sein auf die Arbeit der MaskenbildnerInnen, die hier paradiesische Voraussetzungen finden, um ihre ganze Wundenkunst auf den Tisch zu legen. Ein jeder von den 30 Soldaten, die in diesem lazarettartigen Komplex hausen, hat natürlich irgendeine Art von Verletzung, um seine Anwesenheit zu legitimieren. Diese wurden bei ein paar schon getestet und ich stellte mit Staunen fest, wie echt diese aufgeklebten Wunden und Verbrennungen aussehen.

Hut ab vor der Gesamtproduktion!

Weit muss ich ja nicht springen, um in einer anderen Spitzenproduktion zu landen. Den Parpignol durfte ich jetzt schon viermal geben, jedoch waren leider drei Mal andere Rodolfi zu hören. Piotr Beczala musste leider zwei der Vorstellungen krankheitsbedingt absagen. Beim ersten Mal spielte er noch auf der Bühne und Jonas Kaufmann kam und sang die Partie von der Seitenbühne, um dem Kollegen auszuhelfen und den Vorstellungsabend zu retten. Die Stimmung im Großen Festspielhaus war klarerweise daher eine ganz eigene. Einerseits dieses Mitfühlende von allen Beteiligten für Herrn Beczala und andererseits das Beeindruckende, Jonas Kaufmann in dieser Rolle singen zu hören, nachdem er am Vorabend und am darauffolgenden Abend Bacchus in Ariadne zu singen hatte. Die Seitenbühne war voll, und alle fieberten mit und wussten, dass diese Situation für niemanden der mitspielenden Darsteller auf der Bühne, den Dirigenten sowie für die zwei wohl momentan bedeutendsten Tenöre eine leichte sein wird.

Die Premiere von La bohème stand noch unter einem anderen Stern. Ich folgte einer Einladung ins Schloss Hellbrunn und dort wurde uns spontan ein extraklasse Dinner im Park des Schlosses bei  Vollmondschein mit Blick auf den Teich serviert. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten aber „Edel geht die Welt zugrunde“.

Die Vorbereitungen für das YSP Konzert sind auch schon richtig angelaufen und das Programm lässt sich, denke ich, hören. Durch einen Zufall wurde ich durch einen Sänger/Schauspieler-Kollegen aus der Soldatenproduktion mit dem Gitarristen Tal Hurviz bekannt gemacht und so wird es uns möglich sein, am 19. August die Arie des Grafen Almaviva aus dem Barbier von Seviglia bei diesem Konzert zu präsentieren. Die Situation ist folgende: Der Graf Almaviva hat sich in ein Mädchen namens Rosina verliebt und stellt sich samt kleiner Musikantentruppe an, unter ihrem Fenster ein Ständchen zu geben. Leider können wir die Geschichte dann nicht weiter erzählen, aber wer weiß, vielleicht hört uns ja jemand an diesem Abend und denkt sich „das gefällt mir“ und engagiert uns, die Geschichte einmal ganz zu erzählen. Das sind so die Erwartungen, die ein junger Sänger hat, wenn er Teil des Young Singers Project ist. Ich freue mich auf die Proben für dieses Konzert, hoffentlich ohne Schnupfen, denn dann ist das der schönste Teil der Konzertvorbereitungen. Ohne Druck die tolle Musik und das Privileg zu genießen, ein Vermittler  von Emotionen zu sein. Sonst noch Wünsche??

Liebes Blogbüchlein, auf bald, wenn es wieder ruhiger geworden ist in dem Salzburger Festspielzirkus,

Paul Schweinester

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