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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Böse Grippe

28 JUL 2010

by FESTSPIELKIEBITZ  13:00 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

Yu Kosuge
Foto: Steffen Jänicke

Ivo Pogorelich musste leider seine beiden Konzerte mit der Camerata Salzburg bei den Festspielen krankheitshalber absagen. Auf die gewiss außergewöhnliche Auseinandersetzung des exzentrischen Klaviermeisters mit Chopins Konzerten muss das Publikum am 28. und am 31. Juli also verzichten. Aber: Ersatz wurde gefunden! Yu Kosuge, 28, übernimmt wortwörtlich über Nacht den ersten Konzerttermin. Sie studierte seinerzeit am Mozarteum bei Karl-Heinz Kämmerling und darf András Schiff ihren Mentor nennen. 

Allerdings spielt Yu Kosuge nicht, wie ursprünglich programmiert, Chopins Erstes Klavierkonzert, sondern das Zweite. Verwirrend? Nein, nur vertauscht. Denn das Gesamtprogramm beider Konzertabende hat sich nicht geändert, nur die Reihenfolge der Klavierkonzerte. Das hat, nimmt man es ganz genau, sogar eine gewisse Logik – ist doch das uns heute als Chopins Zweites Klavierkonzert (f-Moll) bekannte Werk vor seinem später als Nr. 1 (e-Moll) gezählten Schwesternstück entstanden. Auch im gemeinsamen Programmbuch für beide Abende sind Einführungstexte zu beiden Konzerten enthalten. Chopin in chronologischer Reihenfolge – das hat ja auch was.  

Doch zurück zu Yu Kosuge: Mit dem Klavier ist sie im wahrsten Sinne des Wortes bestens vertraut: Schon mit zarten zwei Jahren spielte sie, am Schoß ihrer Mutter, am – und auch noch mit dem Klavier. Mit neun Jahren folgte bereits der erste Auftritt mit Orchester – und daraus entwickelte sich ganz langsam und stetig eine internationale Karriere, und zwar ganz ohne große Wettbewerbserfolge – ein biografisches Detail, das sie mit Pianisten wie etwa Arcadi Volodos gemeinsam hat.

Im November 2005 debütierte sie in der New Yorker Carnegie Hall, im August 2006 spielte sie einen Mozart-Abend bei den Salzburger Festspielen. Auch sonst ist sie zwischen den USA, Europa und Asien überall zu hören, wobei sie auch seit Jahren regelmäßig exklusiv für ein Label im Aufnahmestudio arbeitet: Zehn CDs sind mittlerweile erschienen, darunter eine Einspielung von Liszts gefürchteten Études d’exécution transcendante. Im heurigen Mai kam ihre jüngste CD heraus: Mendelssohns g-Moll-Klavierkonzert unter Seiji Ozawa. In einem Interview meinte Yu Kosuge: „Das Klavier ist der Ort, wo ich meine Gefühle am meisten ausdrücken kann. Und das ist halt meine ganze Seele.“ Die beste Voraussetzung also für sinnliches, gefühlvolles Chopin-Spiel. 

Claudio

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