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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Victor Aviat, der dritte Finalist des Young Conductors Award, wird vorgestellt

13 FEB 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  11:35 h;
veröffentlicht in: Konzert

Victor Aviat (Foto: Antonin Aviat)
1) Was bedeutet es für Sie, Finalist des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award zu sein?
Der Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award ist eine der größten Chancen für einen jungen Dirigenten, sich der professionellen Szene zu präsentieren. Als Finalist hat man die Möglichkeit, ein abendfüllendes Projekt mit einem hochkarätigen Orchester zu erarbeiten; man hat ausreichend Zeit, um eine zutiefst musikantische Verbindung zwischen Orchester und Dirigent entstehen zu lassen; man arbeitet mit großen Solisten und leitet schließlich eine Aufführung in der Felsenreitschule, einem wirklich großartigen Konzertsaal. Es gibt weltweit keinen vergleichbaren Wettbewerb. In Salzburg Finalist zu sein ist ein wunderbares Geschenk!

2) Woran denken Sie bei den Worten ‘Salzburg’ und ‘Salzburger Festspiele’?
Ich verspüre definitiv so etwas wie einen „frischen Wind“. Salzburg steht in direkter Verbindung zu meiner ersten beruflichen Erfahrung als junger Oboist. Das ist mehr als 10 Jahre her. Ich habe damals bei der „Haffner Serenade“ und beim Violinkonzert Nr. 5 von W.A. Mozart mitgespielt. Beide Stücke sind ja tatsächlich in Salzburg entstanden; Mozart war damals etwa 20 Jahre alt. Ich erinnere mich, dass ich mich ihm sehr nahe gefühlt habe – speziell auch wegen dieser Stadt. Ich habe mir Salzburg anno 1776 vorgestellt: Mozart läuft irgendwo auf der Straße – und ich begegne ihm.
Ich denke die Salzburger Festspiele gehören zu den prestigeträchtigsten künstlerischen Wirkungsstätten. Sie zeichnen sich nicht nur durch ihre Programmplanung von Oper, Theater und Konzerten aus, bei denen die besten Interpreten der Gegenwart mitwirken, sondern sie legen auch größten Wert auf zeitgenössische Musik und unterstützen die kommenden Künstler-Generationen – Regisseure, Sänger und, in meinem Fall, Dirigenten.  

3) Was ist Ihre berufliche Motivation? Haben Sie Vorbilder?
Ich versuche immer, die Dinge genau einzuschätzen und den Prozessen Zeit zur Entwicklung zu geben. Ich gehe auch an die musikalischen Werke selbst auf ähnliche Weise heran. Ich bin etwa so wie ein Weinkeller, in dem die Stücke wie Flaschen gelagert werden und eine gewisse Zeit ruhen müssen, um zu reifen. Vorbilder?  Habe ich viele. Manche sind schon tot, andere leben noch – einige sind sogar Mitglieder meiner eigenen Familie!

4) Was bedeutet Ihnen Musik im Allgemeinen? Was möchten Sie in Ihrem Leben erreichen?
Musik bedeutet mir alles. Ich sehe das ganz im Sinne von Nietzsche. Da ich praktisch in die Musik hinein geboren wurde – meine Mutter spielte Geige im Opernorchester – kann ich mir ein Leben ohne sie überhaupt nicht vorstellen. Als Musiker lebe ich für die Musik – und durch sie. Auch meine hauptsächlichen Freizeitaktivitäten haben alle mit Musik zu tun – und das ist ganz viel, man denke da an Literatur, Geschichte, Philosophie, Religion, etc. Das alles gehört zu meinem Selbstverständnis als Künstler. Und ich würde liebend gerne über einen längeren Zeitraum hinweg mit einem Orchester arbeiten und zu seiner Entwicklung beitragen. 

5) Was war die berufliche Erfahrung, die Sie am tiefsten inspiriert hat?
Meine erste Oper zu dirigieren – Mozarts Zauberflöte – war sicherlich eine meiner zutiefst inspirierenden Erfahrungen. Aber die Inspiration ist überall fühlbar – in der Natur, in Büchern, in Museen. Im Augenblick könnte ich Ihnen etwas über Monets Serie von Gemälden der Kathedrale von Rouen erzählen, die ich in Washington gesehen habe oder über die Nachtgedichte von Rilke – sie liegen bei mir auf dem Nachttisch. Für mich gehört das alles unbedingt zu meinem Leben und zu meinem Beruf.



Victor Aviat wurde 1982 in Montpellier geboren. Er studierte Oboe, Orgel, Klavier und Orchesterleitung in Paris, Genf und Zürich und ist Preisträger zahlreicher Oboenwettbewerbe. Victor Aviat war Mitglied der von Karajan initiierten Orchester Akademie der Berliner Philharmoniker und spielte als Solo-Oboist mit dem Lucerne Festival Orchestra, dem Orchestra Mozart, dem Ensemble der Berliner Philharmoniker, dem CBSO, dem Budapest Festival Orchestra, sowie im Orchester der Oper Zürich. 2010 gründete er das ORCHESTRA zurich zusammen mit MusikerInnen aus dem Tonhalle-Orchester, Orchester der Oper Zürich und Zürcher Kammerorchester. 2011 debütierte er mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg und 2012 mit dem Orchestre National de Montpellier. Seit 2011 ist er regelmäßiger Assistent von Iván Fischer und dessen Budapest Festival Orchestra, unter anderem für eine Produktion von Le nozze di Figaro 2013. Er absolvierte Master Classes bei Bernard Haitink und David Zinman.

Bitte klicken Sie hier für das detaillierte Konzertprogramm und Karten für das Konzert am 2. März um 15:00 Uhr in der Felsenreitschule.

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