EN
DE

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Clemens Holzmeister – Architekt zwischen Kunst und Politik

14 AUG 2010

by FESTSPIELKIEBITZ  22:30 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Herbert von Karajan und Clemens Holzmeister
Foto: Verlag

Clemens Holzmeister, sagte man, verkörpere das Wesen der Nation. Er zeige dem zerrissenen österreichischen Volk das Bild eines ganzen Menschen. Das prädestinierte ihn zum vielbeschäftigten Architekten quer durch das 20. Jahrhundert. Er baute für das rote Wien, für den autoritären Ständestaat und für die demokratische Zweite Republik. "Holzmeister ist alles, kann alles, macht alles", hieß es polemisch.
Als Architekt suchte er eine Synthese aus Moderne und Tradition. Schon in jungen Jahren lobte man an seinen Bauten, wie gut sie in der Landschaft stünden. Sein Monumentalismus und seine Haltung zur Moderne polarisieren aber bis heute. Als jüngst im Großen Festspielhaus anlässlich der Präsentation einer Biografie über die Qualität just dieses prominenten Holzmeister-Baus diskutiert wurde, geißelte ihn Johannes Voggenhuber, Gründer des Salzburger Gestaltungsbeirats, als "feierliche Hinrichtung der Moderne".
Wilhelm Holzbauer verteidigte seinen Lehrer – und als Architekt des Hauses für Mozart zugleich sich selber. Wie zerstörerisch hätte ein Vertreter der radikalen Moderne in der Altstadt gewirkt. Und wie genial habe Holzmeister das riesige Volumen des Großen Festspielhauses in sie eingefügt. Außerdem machte Holzbauer ein bemerkenswertes Geständnis: Die nächsten Generationen hätten nicht mehr die Kraft der alten Baumeister, wie Holzmeister noch einer war.
Aus dieser Diskussion konnte man eines mitnehmen: Ob anti-, moderat oder radikal modern – letztlich muss Fortschritt in der Architektur Verbesserung sein!

Mona Müry

Die Verlegerin Mona Müry hat im Müry Salzmann Verlag soeben Wilfried Poschs Biografie Clemens Holzmeister. Architekt zwischen Kunst und Politik herausgebracht.

LOGIN | PASSWORT VERGESSEN