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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

25 Jahre Salzburger Festspieldokumente

2 AUG 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  16:37 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Ernst Buchrucker, Helga Rabl-Stadler, Florian Wiegand, Gottfried Kraus, Elke Tschaikner © SF / Anne Zeuner
Die Salzburger Festspieldokumente waren neben dem Schüttkasten eines der beiden Dinge, die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler gerne von ihrem Vorgänger Heinrich Wiesmüller übernommen hatte, erzählt sie bei der Pressekonferenz anlässlich des 25-jährigen Jubiläums eben jenes „klingenden Gedächtnisses der Salzburger Festspiele“. Viele hätten es damals unnötig gefunden, die Archive zu öffnen und es sei viel mit der Finanzabteilung diskutiert worden, sagt die Festspielpräsidentin, denn die nicht so hohen Kosten würden auch nicht so hohe Einnahmen mit sich bringen. Auch Prof. Gottfried Kraus, der die Festspieldokumente langjährig betreute, erinnert sich noch gut an die Anfänge zurück: „Im ersten Jahr hatten wir noch große Probleme mit den Labels und auch der ORF war am Anfang nicht zu begeistern.“ Er erinnere sich gut, wie er mit den damaligen Vorständen der Wiener Philharmoniker diskutiert hätte und dass man sich geeinigt habe nur auf tote Dirigenten zurückzugreifen, da es sonst nur Ärger geben könne. Mit dem Label Orfeo sei es dann auf einmal gegangen und die ersten Festspieldokumente konnten erscheinen. Im darauffolgenden Jahr stiegen dann auch alle anderen Partner ein. In den ersten Jahren habe man eine sehr subjektive Auswahl getroffen, sagt Prof. Gottfried Kraus. Er sei besonders stolz auf die Bewahrung der Furtwängler-Dokumente, auf die Aufnahmen mit Karl Böhm und mit Dietrich Fischer-Dieskau. Auch darauf, dass im Laufe der Jahre fast alle Uraufführungen ab 1948 als Festspieldokumente erhältlich sind.

Wie denn die Auswahl erfolge, welche Festspielproduktionen aufgenommen werden, fragt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. „Die Auswahl erfolgt in gemeinsamen Gesprächen. Die Zusammenarbeit ist eine große Freude, weil der ORF Hörfunk unsere dramaturgischen Ideen und Linien aufgreift und ähnliche programmatische Prioritäten setzt“, sagt Florian Wiegand, der Leiter des Konzertes und der Medienabteilung der Salzburger Festspiele. „Wir wollen gerne Dinge aufzeichnen, die nicht an jeder Ecke zu finden sind – so freuen wir uns, dass in diesem Jahr die Reihen Zeit mit Grisey und Zeit mit Schostakowitsch aufgenommen wurden, aber auch junge Künstler im Vordergrund stehen und etwa das Preisträgerkonzert des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award und das Abschlusskonzert der Young Singers ebenfalls aufgezeichnet werden.“ In diesem Jahr seien 25 Produktionen, davon vier Opern aufgezeichnet worden.

Man merke, dass der ORF die Zusammenarbeit nicht nur als Arbeit ansehe, sondern dass es eben auch eine große Freude sei, sagt Helga Rabl-Stadler. Auch Elke Tschaikner, die Leiterin der Ö1 Musikredaktion beim ORF Hörfunk, sieht es als „symbiotisches Verhältnis“. Die Salzburger Festspiele seien in der Redaktion der Höhepunkt des Jahres. Es sei in ihrer Schlichtheit eine geniale Idee gewesen von Prof. Kraus, die Archive zu öffnen und diese Schätze zugänglich zu machen, sagt Elke Tschaikner. Sie selbst habe im Jahr 1995 noch eine Vorlesung mit Prof. Kraus erlebt und sie habe sich sofort in seine Stimme verliebt, sagt sie. Erst später habe sie begriffen, „dass sich bei ihm Wissen und Leidenschaft paaren und er ein großes Vorbild für jeden Medienmenschen ist“, sagt sie.

Dass in diesem Jahr Mozarts La clemenza di Tito aus dem Jahr 1977 unter dem Dirigat von James Levine in der Felsenreitschule erschienen ist, sei natürlich kein Zufall, sagt Florian Wiegand. So könne der Festspielgast einen direkten Vergleich zur Interpretation von Teodor Currentzis mit seinen musicAeterna ziehen. In dem Jubiläumskatalog 2017 sind alle über 450 bisher erschienenen Salzburger Festspieldokumente zusammengefasst worden. „Leider sind manche vergriffen – worüber wir natürlich traurig sind, allerdings haben wir die Hoffnung, dass die großen Labels sie irgendwann wieder auflegen“, sagt Florian Wiegand. Eine Ausnahme sei dabei das Label Orfeo, denn alle bei Orfeo erschienenen Dokumente seien bis heute gut erhältlich.

„Wenn die Unitel nicht wäre, könnte man nie auf so viel Videomaterial zurückgreifen“, sagt die Festspielpräsidentin. „Wir sind sehr dankbar, einen Partner zu haben, der eine so wunderbare Leistung erbringt, auch wenn sie manchmal nicht gewinnbringend ist.“ Ernst Buchrucker, Managing Director bei Unitel, bedankt sich ebenfalls bei den Festspielen: „Ich habe manchmal das Gefühl, wir sind der Sand im Getriebe der Festspiele, d.h. wir machen den Produktionen aber auch für die Festspielmitarbeiter im größten Festspielstress noch zusätzliche Arbeit und Mühen. Wir erfahren aber aus jeder betroffenen Abteilung große Unterstützung – so gelingt es dem Leiter des Kartenbüros, Christoph Engel, immer wieder auch kurzfristig Plätze für unsere Kameras im Zuschauerraum aufzutreiben, auch wenn es eigentlich gar keine Karten und Plätze mehr gibt“, sagt er. Und damit konnten durch die Übertragungen weitere 100-tausende Menschen überall auf der Welt an den Aufführungen der Festspiele teilhaben.

Am Ende der Pressekonferenz verlieh die Festspielpräsidentin Prof. Gottfried Kraus die Goldene Festspielnadel. Es sei ein absoluter Glücksfall für die Salzburger Festspiele, dass sich Prof. Gottfried Kraus  so eingesetzt hat, diesen Schatz zu heben, sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Er habe mit seinem unglaublichen Gedächtnis, mit seinem Wissen und vor allem mit Passion an dem Projekt gearbeitet. Auch in seiner Zeit als Musikkritiker beim ORF habe er es geschafft, die Art der Musikvermittlung zu verändern. „Inspirierend, aber nicht belehrend“, sagt die Festspielpräsidentin. Sie hoffe, dass er auch weiterhin seine schützende Hand über die Archive hält. – Und auch Gottfried Kraus ergänzt, dass die Arbeit ihn nicht nur gefreut hat, sondern sie ihn auch lebendig gehalten habe.

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