EN
DE

PROGRAMMDETAIL

Zyklus Gustav Mahler • Mahler I

PROGRAMM

GEORGE GERSHWIN • Cuban Overture

ALBERTO GINASTERA • Danzas de Estancia op. 8a

GUSTAV MAHLER • Symphonie Nr. 1 D-Dur (1884–88)

Programm drucken (PDF)

INTERPRETEN

Jesús Parra, Dirigent (Ginastera)
Simon Rattle, Dirigent
National Children’s Symphony Orchestra of Venezuela

ZUR PRODUKTION

When I first conducted the Infantil Orchestra 3 years ago in Caracas, I could not believe that children as young as 9 and never older than 14 could not only play all the notes, but also could make such wonderful music. It is exhilarating and life enhancing. So I had no hesitation in accepting the invitation of Alexander Pereira and Maestro Abreu to conduct Mahler 1 with the Infantil Orchestra (even younger this time) at the 2013 Festival. This is, quite simply, the future of music. Those of you lucky enough to hear the concerts will see why. Simon Rattle

Als 2010 das National Children’s Symphony Orchestra von José Antonio Abreu ins Leben gerufen wurde, ließ es sich Simon Rattle nicht nehmen, selbst ans Pult zu treten und das Antrittskonzert des neuen venezolanischen Kinderorchesters in der Aula Magna der Universität von Caracas zu dirigieren. 377 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren musizierten mit großer Hingabe und musikalischem Ernst Werke von Gershwin, Fauré und Ginastera. Dass dieses junge Ensemble aber auch Mahlers 1. Symphonie zu spielen wagte, versetzte alle Anwesenden in Erstaunen – und wurde mit Standing Ovations belohnt. In diesem Sommer geht das National Children’s Symphony Orchestra auf Einladung der Salzburger Festspiele erstmals auf Auslandsreise, allerdings „nur“ mit etwa 250 Mitgliedern. Und wieder wird es Simon Rattle sein, der das Kinderorchester bei seinem internationalen Debüt dirigiert.

Aber es werden zum Teil andere Kinder sein als noch vor drei Jahren, denn viele der jungen Musiker sind dem Kinderorchester inzwischen entwachsen und in eines der Jugendorchester Venezuelas aufgestiegen. Auch auf dem Salzburger Programm steht als zentrales Werk Mahlers 1. Symphonie, ferner Gershwins Cuban Overture und die Danzas de Estancia des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Letztere werden von dem 18-jährigen Jesús Parra, dem jüngsten Wunderkind der El-Sistema-Bewegung, musikalisch geleitet. Neben diesen beiden Konzerten in der Felsenreitschule wird das National Children’s Symphony Orchestra in Salzburg verschiedenen Ensembles begegnen, die – wie die österreichische Initiative superar oder das türkische Kinderorchester „Musik für den Frieden“ – dabei sind, das Vorbild El Sistema auf ihre Länder zu übertragen. Am 7. August findet außerdem eine gemeinsame öffentliche Orchesterprobe mit dem Mozart Kinderorchester der Stiftung Mozarteum statt.

Ohne Titel, © Eva Schlegel

TERMIN WÄHLEN

KARTEN

Felsenreitschule (Saalplan mit Preiskategorien anzeigen)

LOGIN | PASSWORT VERGESSEN

EDITORIAL 2013

Das Konzert 2013

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

Download PDF

Gustav Mahler
Die neun Symphonien

„Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.“ Der anlässlich seiner Dritten geäußerte, vielzitierte Satz darf als Motto über Gustav Mahlers ganzem Schaffen stehen. Seine Welt, das ist die längst hoffnungslos disparat gewordene Donaumonarchie in all ihrer Vielfalt und mit allen Widersprüchen und Gegensätzen – und das bedingt auch die für Mahler typischen stilistischen Querstände, extremen Kontraste und verblüffenden Gleichzeitigkeiten: Nicht nur Naturlaut und Volkslied, sondern auch Militärmarsch, Blasmusikfanfare und Tanzmusik finden Eingang in den bürgerlichen Konzertsaal und stehen gleichrangig neben der hehren, altehrwürdigen Kunst – wofür ein Kritiker dem Komponisten einmal gleich ein paar Jahre Gefängnis aufbrummen wollte. Dieser Zugang war zu kühn und neu, als dass er unwidersprochen geblieben wäre oder auf breites spontanes Verständnis hätte stoßen können. Dass Märsche in den Tod führen wie im Finale der Sechsten oder überhaupt ein zunächst gemessenes, dann wie irrwitzig explodierendes Kondukt begleiten wie etwa im Stirnsatz der Fünften, dass in gespenstischen Walzern immer wieder der Tod seine Fidel streicht, dass Polkas Verzweiflung übertünchen oder speziell Klezmer-Klänge unter Tränen lachen können, das alles hat „er als erster von allen und in dieser Weise nur er allein“ (H. H. Eggebrecht) in Tönen verwirklicht. Was wir hören, ist vielfach gespiegelt: Musik über Musik. Weist Mahlers Schaffen schon dadurch stets über den Abbildcharakter einer bloß anhäufenden Bestandsaufnahme heraus, formuliert sie dennoch auch eine Utopie, die er als „Sehnen über die Dinge dieser Welt hinaus“ benannt hat und die ihn dazu bringt, in seine Musik im doppelten Sinne einzugreifen – etwa im berühmten „Durchbruch“ der Ersten. „Ich sage Dir, mir ist manchmal selbst unheimlich zu Mute bei manchen Stellen, und es kommt mir vor, als ob ich das gar nicht gemacht hätte. Man ist sozusagen selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt.“

Walter Weidringer