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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Anton Bruckner in frischer Tradition

22 JUL2014

by FESTSPIELKIEBITZ  17:05 h;
veröffentlicht in: Konzert

Die Salzburger Festspiele präsentieren heuer alle Symphonien von Anton Bruckner, die er selbst als seine gültigen angesehen hat. Fünf davon werden von den Wiener Philharmonikern zur Aufführung gebracht, die sich von Anbeginn der Pflege der Musik des Linzer Meisters verschrieben haben. In weiteren vier Konzerten erwarten Sie spannende Bruckner-Begegnungen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Philharmonia Orchestra, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und dem Gustav Mahler Jugendorchester.

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„Kein Cäsar würde den Componisten fürchten, und doch komponiert er nichts als Hochverrath, Empörung und Tyrannenmord“: Es bedurfte eines erklärten Gegners von Anton Bruckner, um das subversive Potenzial im Schaffen des vielfach als bieder-devot beschriebenen Menschen hellsichtig zu benennen. Bruckner sei, so der Kritiker Max Kalbeck 1885 weiter, „der Gefährlichste unter den musikalischen Neuerern des Tages: seine Gedanken liegen außer aller Berechnung, und das Unvermittelte in ihnen besitzt eine verführerische, magische Kraft“. – Ob nun dämonisiert, als naiver Hinterwäldler abgetan oder von seinen Getreuen geradezu heiliggesprochen, schuf er kompromisslose Partituren „für spätere Zeiten“ und war doch durch quälerische Selbstkritik und die Aussicht auf kurzfristigen Erfolg zu Konzessionen und Umarbeitungen bereit: Genialische Widersprüche scheinen Leben und Werk Anton Bruckners zu prägen, die zugleich seinen singulären Rang in der Musikgeschichte untermauern. Als glühender Wagner-Verehrer wurde er zu den fortschrittlichen „Neudeutschen“ gerechnet, was ihn jedoch nicht daran hinderte, mit Beharrlichkeit an der Gattung der Symphonie festzuhalten, die er sich zu einem eigenen Typus formte, der musikalisch verblüffend wenig mit Wagner zu tun hat. Die Entwicklung von Themen aus geheimnisvollem Raunen, komplexe kontrapunktische Durchwirkung, markige Musizierlust, die Erhabenheit von Chorälen und mehr, all das bildet, in riesenhafte Steigerungswellen gegossen, eine monumentale musikalische Architektur voll rückhaltloser Expression, jäher Abgründe, spiritueller Obertöne und immer wieder bestürzender Modernität. Von der aufmüpfig-widerborstigen Ersten, dem „kecken Beserl“, das Bruckner im Alter von über 40 Jahren schuf, bis zu der in kindlicher Frömmigkeit „dem lieben Gott“ gewidmeten, mystisch-transzendentalen Neunten, die 30 Jahre später unvollendet bleiben sollte, fächern illustre Bruckner-Interpreten der Gegenwart diesen faszinierenden symphonischen Kosmos auf.

Walter Weidringer

EDITORIAL 2014

Das Konzert 2014

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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