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PROGRAMMDETAIL

Salzburg contemporary • Rihm • Klangforum Wien

PROGRAMM

LUIGI NONO • Guai ai gelidi mostri (1983) 
für zwei Altstimmen, Flöte, Klarinette, Tuba, Viola, Violoncello, Kontrabass und Live-Elektronik – Textzusammenstellung von Massimo Cacciari

WOLFGANG RIHM • Will Sound More (2005/2011)

WOLFGANG RIHM • Gejagte Form für Orchester (2. Version 1995/2002)

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Wolfgang Rihm wollte als Kind zuerst Maler werden, dann Schriftsteller und zuletzt Komponist. Ganze Werkgruppen veranschaulichen seine enge Beziehung zur bildenden Kunst, zahlreiche Künstlerfreundschaften zeugen vom ständigen Energiefluss Wolfgang Rihms von und zur Malerei.
Durch sein antizyklisches „Übermalen“ keimzellenartig angelegter Werke sind so große offene Reihen und Werkkomplexe entstanden. Bereits mit seinem Chiffren- und Tutuguri-Zyklus aus den 1980er Jahren machte Rihm deutlich, dass in seinem Musikfluss sich Form aus Beginnen und Enden von Musik selbst findet. Die Werke Gedrängte Form und Gejagte Form bis hin zu seinen Jagden und Formen (1995–2001) sind dafür aussagekräftige Beispiele und tragen das Prinzip der fortschreibenden Formung bereits im Titel.
Rihms Will Sound-Werke sind mittlerweile drei: Will Sound More (2005/2011) hebt sich durch lyrische Momente deutlich von dem wild bewegten Vorgänger Will Sound (2005) ab. „Etwas wird klingen, weil es klingen will“, schrieb dazu Rihm: „Der Komponist folgt dem Willen und Werden und notiert die Zwischenräume. Es entsteht eine Form, die ein Abdruck der Energie ist, die sich formen will.“ In einer erneuten Erweiterung hat der Komponist Will Sound More Again geschrieben, uraufgeführt im Oktober 2011. Diese Will Sound-Werke sind mit ihrem freien Spiel der musikalischen Kräfte und mit ihrem das Dasein bejahenden Gestus auch eine Fortschreibung seiner Jagden und Formen zu einem neuen Werkkomplex.
Auf die Uraufführung eines neuen Klavierkonzerts von Wolfgang Rihm darf man sich besonders freuen. Als Teenager begann Rihm sein Komponieren mit Klavierwerken. Ein erstes Klavierkonzert entstand schon 1969. Ein Jahr später und genau ein Jahrzehnt dauernd schuf er sieben sehr unterschiedliche und raumgreifende Klavierstücke, die in der zeitgenössischen Klaviermusik spieltechnische, klangsinnliche, energetische und ästhetische Maßstäbe gesetzt haben. Mit seiner fast halbstündigen und den ganzen Pianisten fordernden Nachstudie für Klavier (1992/1994) komponierte er gewissermaßen ein vorläufiges Opus summum seiner Klaviermusik.
Alle Erfahrungen seines bisherigen Komponistenlebens, alle Auseinandersetzung mit der Tradition – allen Einreden von außen zum Trotz –, und alle Visionen für die längst noch nicht abgeschlossene Geschichte der Klaviermusik wird Wolfgang Rihm jetzt in seinem neuen Klavierkonzert für den Pianisten Tzimon Barto in die Waagschale werfen. Wir dürfen dabei sicher sein: Die musikalische Balance wird in großen Spannungsbögen, in einem hörbaren „Schnitt ins eigene Fleisch“ und einer Artikulation von Tradition, „die immer nur meine Tradition sein kann“, hergestellt sein: „Historische Modelle gibt es nicht mehr, wohl aber Positionen, die ein Jetzt auf ein Früher hin (nicht aus diesem heraus) definieren und das Früher als anderes (damaliges) Jetzt zu sehen ermöglichen.“

Achim Heidenreich

EDITORIAL 2014

Das Konzert 2014

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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