EN
DE

SALZBURG FESTIVAL BLOG

Playing the Angel

27 JUL 2011

by Uli Kirsch  17:11 h;
published in: Opera, General

Nach unserer Generalprobe am Sonntagabend und vorangegangenen 21 Tagen hochkonzentrierter Arbeit, erfüllt von den zarten Klängen Mozarts, getragen von unfassbar schönen, klassischen Stimmen und immer tiefer gehender Erforschung der menschlichen Sehnsüchte und Abgründe, war es allerhöchste Zeit für ein kleines bisschen Rock’n’Roll. Um mich zu zerstreuen, legte ich eine Platte der englischen Synth-Rock-Gruppe auf, die mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern als eine der erfolg- und einflussreichsten Bands der Welt gilt: Depeche Mode .

Oooh … wie wohl der raue, elektronische Beat, die düsteren Synthesizer, die künstlichen Klangwelten tun und dann … Dave Gahans Stimme. Er beginnt zu singen – und früher als es mir lieb ist, denke ich wieder an den Figaro: „How sweet life would be if I could be free from the sinner in me“. Ein Satz, der ebensogut aus dem Mund des Grafen stammen könnte. Ich lausche weiter: „We’re damaged people drawn together by subtleties that we’re not aware of“, eine griffige Definition dessen, was in Claus Guths Inszenierung auf der Bühne geschieht. Doch es wird noch besser: „An angel led me when I was blind. I said take me back I’ve changed my mind.“

Es gibt kein Entkommen. Der Engel ist überall. Depeche Mode erforschen die menschlichen Sehnsüchte und Abgründe in ihrer Musik ebenso wie es schon Mozart und Da Ponte vor 225 Jahren taten. Es sind dieselben Themen, dieselben Abgründe, dieselben Träume und dieselben Hoffnungen.

Ist es Liebe? Vielleicht. Ist es menschliche Natur? Vielleicht. Vielleicht ist auch alles ganz anders. Vielleicht.

Ich nehme die Plattenhülle in die Hand und staune. Das Album heißt: Playing the angel. Es erschien im Oktober 2005, jenem Monat, in dem Claus mich damals fragte, ob ich mir vorstellen könnte, in Salzburg einen Engel zu spielen. Es gibt schon seltsame Zufälle.

In der Hoffnung auf kreativen Input bestelle ich mir im Internet zwei weitere Platten von Depeche Mode und wünsche mir, dass deren Titel, Sounds of the universe und Exciter, ebensogut zu unserem Figaro passen werden wie Playing the angel.

LOGIN | FORGOT PASSWORD