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SALZBURG FESTIVAL BLOG

Triangel, Zweistein … ein Traum

5 AUG 2011

by Uli Kirsch  10:11 h;
published in: Opera, General

Uli Kirsch
Nach der eigenen Premiere hat man es in Salzburg gut. Die Proben sind vorbei, die Aufregung legt sich, und man beginnt das schöne Leben zu genießen. Die Premierenfeier des Figaro auf dem Mönchsberg hat mich einige Energie gekostet, und so konnte ich mich erst nach ein paar Tagen wieder in den feierlichen Festspielzirkus stürzen.

Aber nun bin ich stolz auf mich, denn ich habe einen regelrechten Marathon hinter mir, fünf Tage, fünf Produktionen … da kann nicht einmal Angela Merkel mithalten. Die vier Himmelsrichtungen, Le nozze di Figaro (zugegeben: das zählt nur halb, weil ich ja selbst auf der Bühne stand), Macbeth, Die Frau ohne Schatten und zuletzt schließlich Così fan tutte.

Und nach jeder Vorstellung gibt es Klatsch und Tratsch unter den Künstlern, welche Arbeit denn nun besonders gelungen und welche denn böse in die Hose gegangen ist … in diesem Jahr ist nichts wirklich in die Hose gegangen. Mein persönlicher Favorit aber ist: Così fan tutte. Claus Guth hat seine Inszenierung von 2009 radikal überarbeitet. Man muss schon sagen, es ist eine neue Produktion, raffiniert, verspielt, humorvoll, und berührend … ein Traum.

Aber genug von dem „auf der Bühne“, was sie alle sicher viel brennender interessiert ist das „hinter der Bühne“. Zu Klatsch und Tratsch treffen wir Künstler uns zunächst beim Franzl im Triangel gegenüber vom Haus für Mozart. Dort wird gut gegessen und getrunken und gelacht. Etwas später entscheidet sich dort, wer im nächsten Jahr wieder bei den Festspielen dabei sein darf und noch etwas später wird dort wild getanzt … (und es tanzen dort alle! Nicht nur die, die wiederkommen dürfen). Aber beim Franzl endet der Abend nicht.

In einer Nacht vor nicht allzu langer Zeit zog das halbe Figaro-Ensemble noch weiter in die Bar Zweistein am Giselakai 9. Diese Bar für Homosexuelle ist ein wahrhaftiges Eldorado des Nachtlebens in Salzburg. Dort trifft sich zur Festspielzeit und zu fortgeschrittener Stunde alles, was noch nicht ins Bettchen gehen möchte.

In dieser besagten Nacht jedoch strahlte das Zweistein noch ein kleines bisschen heller als sonst. Marlis Petersen, Katija Dragojevic, Christopher Maltman, Marie McLaughlin, Adam Plachetka, Christian Schmidt und ich, der Engel, brachten den Laden zum Überkochen. Wir tanzten eng … und heiß, Hüfte an Hüfte … betrieben regelrechten Tanzsport an der vertikalen Stange, allen voran Marlis und Katija, Yippie-Ya-Yeah, feierten, sangen und lachten … und Marie? Marie verdrehte den schwulen Jungs die Köpfe … (und sogar Triangel Franzl ward an diesem Abend dort gesehen).

Es war ein Traum.

Liebe Freunde der Festspiele … leider muss ich der Versuchung widerstehen, Ihnen Fotos dieser legendären Nacht zu zeigen. Wenn ich das nämlich täte, wäre es vermutlich mein letzter Sommer in Salzburg gewesen … und das kann ich auf keinen Fall riskieren.

Nur eines noch: ein riesiges Dankeschön an meine unglaublich wundervollen Kollegen. Ihr macht diesen Sommer zu einem ganz besonderen. Ihr seid in meinem Herzen …

Uli Kirsch

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