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SALZBURG FESTIVAL BLOG

10 Fragen von Marlis Petersen an Uli Kirsch

12 AUG 2011

by Marlis Petersen  12:57 h;
published in: Opera, General

Marlis Petersen, Photo: Mavropoulos
Lieber Uli, Du spielst jetzt seit 2006 den Engel im Figaro, siehst auch aus wie ein Engel und jeder spricht Dich auf Deine sinnliche und engelhafte Ausstrahlung an. Hast Du Dich über die Jahre damit identifiziert oder geht Dir das Engelbild eher auf die Nerven?

Das Engelsbild geht mir nicht auf die Nerven … wie könnte es. Der Figaro ist bis heute die schönste Arbeit, an der ich teilhaben durfte. Noch heute schreiben mir Menschen aus der ganzen Welt E-Mails, nachdem sie den Figaro auf DVD gesehen haben. Das ist wundervoll, und ich bin einfach nur dankbar. Identifizieren kann ich mich mit dem Engel nur bedingt. Natürlich hat die Figur viel mit mir zutun, aber das haben auch alle anderen Rolle, die ich spiele. Es macht nur dann Spaß, wenn man ein Interesse und eine Faszination für eine Rolle hat, die man spielt.

Wie fühlt man sich als Schauspieler zwischen lauter singenden Menschen – und man selber sagt und singt keinen Ton?

Das werde ich oft gefragt. Es ist ein tolles Gefühl. Abgesehen von der besonderen Position des Engels hatte ich nie das Gefühl, eine besondere Position im Ensemble zu haben … Ich war ein Teil der Inszenierung genau wie die Sänger. Auf der Bühne begegnen wir uns alle auf Augenhöhe, und im Optimalfall erinnert sich der Zuschauer einfach nur an den Engel und nicht an einen Schauspieler, der keinen Ton von sich gegeben hat.

Neulich hatte man in Deinem Kostüm die Schlitze, durch die Deine Engelflügel durchgezogen werden, fälschlicherweise zugenäht :-) … und das entdecktest Du am Premierentag kurz vor Vorstellungsbeginn. Gibt es noch so eine lustige Geschichte in Deinem Berufsleben?

Das Zunähen von Kostümteilen hat bei mir Tradition. Während meiner Ausbildung spielte ich einmal einen fiesen Filmproduzenten. Ich begann die Szene nackt auf einem Massagetisch liegend und spielte die folgenden zehn Minuten nur mit einem leichten Bademantel bekleidet zu Ende. Vor der letzten Vorstellung erlaubten sich meine Ankleider einen Scherz und nähten den Bademantel so zusammen, dass ich ihn nicht mehr schließen konnte. Damals bemerkte ich es leider erst, als ich schon auf der Bühne stand.

Gibt es ein Tabu für Dich on stage?

Ja. Was auf der Bühne geschieht ist ein Spiel. Ich bin bereit alles zu spielen und auszuprobieren. Ich nehme auch blaue Flecken gerne in Kauf, körperlich wie seelisch, aber es darf niemals soweit gehen, dass jemand ernsthaft und bleibend verletzt wird.

Schaut man sich Inszenierungen von Calixto Bieito an, geht es nur um sexuelle Blickwinkel. Würdest Du in so einer Inszenierung gerne mal mitspielen?

Ich halte es für gewagt, Calixto Bieito nur auf sexuelle Blickwinkel zu reduzieren. Ich finde nicht alle seine Inszenierungen gut, aber ich finde seine Arbeit extrem spannend. Natürlich würde ich liebend gerne einmal mit ihm arbeiten.

Du bist Schauspieler, Tänzer, jonglierst mit Äpfeln und bist ehemaliger Weltmeister auf dem Einrad … was fasziniert Dich denn eigentlich an Oper?

Die Musik. Die Musik. Und die Musik.

Hat ein Engel auch Abgründe? Mit anderen Worten: Gibt es auch einen Teil Lucifer in Deinem Charakter?

Ich habe ein Engelchen auf der rechten Schulter und ein Teufelchen auf der linken … ganz klar. Ich liebe und pflege sie beide und versuche jedem im richtigem Moment nachzugeben.

Magst Du Putten?

Vom Golfen hab ich keinen blassen Schimmer.

In dem berühmten und geliebten Salzburger Restaurant Triangel stehen zu fast jedem Gericht die Namen von Künstlern dabei. Du bist nicht genannt! Ärgert Dich das?

Es ärgert mich sehr. Es kränkt meine Eitelkeit.

Wenn wir jetzt mal alles Engelhafte vergessen und uns auf Uli Kirsch als Mensch konzentrieren: Was würdest Du gerne einem heutigen Publikum mit auf den Weg geben?

Fürchtet euch nicht und zaget nicht, seid mutig und stark!

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