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1938-1944

Festspiele unter dem Hakenkreuz

Am 12. März 1938 marschierten nationalsozialistische Truppen in Salzburg ein: Der „Anschluss“ Österreichs an Deutschland war vollzogen, und die braune Ideologie wirkte sich unmittelbar auf das Profil der Salzburger Festspiele aus. Viele der Künstler, die das Festival in den Jahren zuvor geprägt hatten, man denke nur an Max Reinhardt, Bruno Walter oder Arturo Toscanini, durften hier nicht mehr auftreten. Die Werke des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal, allen voran der Jedermann – nicht aber die Strauss-Opern mit Hofmannsthalschen Libretti -, wurden ebenso vom Spielplan verbannt wie Reinhardts spektakulärer Faust in der Felsenreitschule, den man durch einen Egmont ersetzte. Die „deutsche Kunst“, so forderte es das Propagandaministerium in Berlin, solle fortan die Spielpläne beherrschen. Salzburg war auch nicht länger die Bühne für ein internationales Publikum. Um die ausländischen Gäste, die größtenteils ausblieben, zu ersetzen, wurden viele tausend Deutsche im Rahmen des „Kraft durch Freude“-Programms an die Salzach gebracht: meist Arbeiter mit bescheidenem Einkommen, die hoch subventionierte Festspielkarten erhielten. Die Stadt wurde als riesiges Propagandainstrument der Machthaber missbraucht und über und über mit Hakenkreuzfahnen beflaggt; 1939 besuchte gar Hitler selbst die Festspiele. Nach Kriegsbeginn wurde das Programmangebot deutlich reduziert; man versuchte, mit den Aufführungen, die nunmehr hauptsächlich von beurlaubten oder verwundeten Soldaten und Arbeitern aus den Munitionsfabriken besucht wurden, die Moral an der Heimatfront zu stärken. 1943 verbot das Propagandaministerium den Titel „Festspiele“ und führte statt dessen den Namen „Salzburger Theater- und Musiksommer" ein. Nach dem gescheiterten Bombenattentat auf Hitler am 20. Juli 1944 und dem darauf folgenden Erlass über den „totalen Kriegseinsatz“ verfügte Propagandaminister Goebbels, alle Festspiele im Deutschen Reich abzusagen. In Salzburg konnten schließlich nur noch ein Orchesterkonzert und die Generalprobe zu Richard Strauss‘ neuester Oper Die Liebe der Danae, deren Uraufführung geplant war, stattfinden. Zu den Künstlern, die den Festspielbetrieb unter dem Hakenkreuz aufrecht erhielten, zählten Clemens Krauss, der 1942 zum Generalintendanten bestellt wurde, seine Dirigentenkollegen Karl Böhm und Hans Knappertsbusch sowie der Pianist Edwin Fischer.

 

Details zu den einzelnen Jahren:

1938, 1939, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944,