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1990 – 2001

Das neue Salzburg

Die Stagnation zu überwinden, die vor allem in den letzten Jahren der Ära Karajan spürbar wurde, setzte sich Gerard Mortier zur Aufgabe. „Das neue Salzburg“, das er proklamierte, verfolgte eine Politik der Öffnung: hin zu einem breiteren und nicht zuletzt moderneren Repertoire, zu unverbrauchten, mitunter auch provokanten ästhetischen Sichtweisen, zu anderen und jüngeren Publikumsschichten. Die einzelnen Spielzeiten wurden jeweils unter ein Motto gestellt, dessen Idee sich im gesamten Programm spiegeln sollte. Die Zahl der jährlichen Neuproduktionen erhöhte sich merklich, wobei eine für Salzburg neue Generation von Regisseuren ins Rampenlicht trat: Herbert Wernicke, Ursel und Karl-Ernst Herrmann, Peter Mussbach, Hans Neuenfels, Luc Bondy, Peter Sellars, Robert Wilson und Christoph Marthaler prägten die Bühnenästhetik der Ära Mortier. Weniger die Uraufführungen – nur drei Opernwerke kamen zwischen 1992 und 2001 als Weltpremieren bei den Festspielen heraus – als eine konsequente Pflege des Repertoires aus dem 20. Jahrhundert bestimmte den Spielplan im Musiktheater: Ein Janácek-Zyklus, Messiaens grandioser Saint François d’Assise, Ligetis Grand Macabre, aber auch Opern von Strawinsky, Schönberg, Berg, Weill und Busoni bildeten Marksteine der Programmpolitik. Das Schauspiel sollte, der Vision Max Reinhardts entsprechend, wieder einen höheren Stellenwert erhalten; Peter Stein, Ivan Nagel und Frank Baumbauer widmeten sich nacheinander dieser Aufgabe. Die Konzertsparte, die während der gesamten Mortier-Dekade von Hans Landesmann betreut wurde, präsentierte thematisch gestützte Zyklen oder Projekte, deren Programme von einzelnen Künstlern zusammengestellt wurden – als markantestes Beispiel sei das „Progetto Pollini“ erwähnt, das Kompositionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart umspannte. Der konfliktfreudige Mortier sagte mancher Institution den Kampf an: den Wiener Philharmonikern und ihren Privilegien, dem Starzirkus, dem Geldadel, der omnipräsenten Plattenindustrie, der Opernkulinarik – und wurde vor allem dadurch zur Zielscheibe konservativer Kritik, namentlich der Wiener Presse. Triumph und Skandal lagen dicht beieinander: „Die Salzburger Ära Mortier, keine Revolution, hat viel bewirkt“, resümierte Gerhard R. Koch in der Frankfurter Allgemeinen den künstlerischen Ertrag.

Details zu den einzelnen Jahren:

1990, 1991, 1992, 1993, 1994, 1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001,