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2015

Begonnen haben die 95. Salzburger Festspiele mit Haydns Schöpfung – heuer dargebracht von Marc Minkowski und seinen Musiciens du Louvre – im Rahmen der Ouverture spirituelle. Als vierte Weltreligion war in diesem Sommer der Hinduismus zu Gast. Im Dialog mit westlicher geistlicher Musik wurden in der Kollegienkirche Theater-, Musik- und Tanzformen aus den verschiedenen Regionen Indiens gezeigt. Die Reihe Salzburg contemporary stand ganz im Zeichen von Pierre Boulez, der 2015 seinen 90. Geburtstag feierte.  Die Wiener Philharmoniker beschäftigten sich in ihren Konzerten mit jenen  Werken, die sie in ihrer 173-jährigen Geschichte uraufgeführt haben. Dieses Projekt wird im nächsten Sommer fortgeführt.

Die Eröffnungspremiere war diesmal Wolfgang Rihms Oper Die Eroberung von Mexico in der Regie von Peter Konwitschny mit Angela Denoke und Bo Skovhus als Idealbesetzung. Ingo Metzmacher dirigierte die Oper. Dass ein wichtiges Werk zeitgenössischer Musik zu Beginn der Festspiele stand, fand international ein großes positives Echo. Seit Monaten ausverkauft war Beethovens Fidelio mit Jonas Kaufmann und Adrianne Pieczonka in den Hauptrollen. Franz Welser-Möst dirigierte, Claus Guth führte Regie. Er erregte besonderes Aufsehen durch seine Inszenierung mit Klanginstallationen und Sounddesign und das Streichen der Rezitative. Eine wegweisende Arbeit, die teils mit Begeisterung, teils mit Ablehnung bedacht, jedenfalls heftig diskutiert wurde. Le nozze di Figaro vollendete den 2013 begonnenen Mozart/Da-Ponte-Zyklus. Es dirigierte Dan Ettinger, die Regie führte Sven-Eric Bechtolf. Eine bejubelte Wiederaufnahme war Bellinis Norma, die schon 2013 mit dem Opera Award für die beste Opern-Neuproduktion ausgezeichnet wordem war. Bereits zu den Salzburger Pfingstfestspielen war Glucks Iphigénie en Tauride ein großer Erfolg, an den die Festspiele auch im Sommer anknüpfen konnten. In beiden Produktionen sang und spielte Cecilia Bartoli die weibliche Hauptrolle und war damit eine der prägenden Sängerinnen des Festspielsommers. Mit Il trovatore und Der Rosenkavalier brachten zwei weitere Wiederaufnahmen großen Erfolg für die Festspiele. Es hat sich gezeigt, dass es richtig ist, künstlerisch wertvolle Produktionen wieder zu zeigen. Das Publikum hat sie dankbar angenommen. Mehreinnahmen im Kartenverkauf und Minderausgaben im Produktionsbudget sind der erfreuliche Nebeneffekt.

Im Bereich Schauspiel gab es in diesem Festspielsommer drei Neuinszenierungen und die Wiederaufnahme des Jedermann. Mit Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper kehrte das Schauspiel zum ersten Mal nach 20 Jahren wieder in die Felsenreitschule zurück. Zu einem großen Publikumserfolg wurde die von Henry Mason inszenierte Shakespeare-Produktion Die Komödie der Irrungen auf der Perner-Insel. Regisseur Stephan Kimmig brachte Clavigo nach Johann Wolfgang von Goethe als Co-Produktion mit dem Deutschen Theater Berlin auf die Bühne des Salzburger Landestheaters. Die Inszenierung ließ niemanden kalt und wurde kontrovers aufgenommen.

Aus Anlass der Aufführung von Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper widmeten die Salzburger Festspiele gemeinsam mit dem Verein der Freunde dem Dichter der Dreigroschenoper ein wissenschaftliches Begleitprogramm, das Brechts politisches Engagement sowie seinen Einfluss auf Literatur und Musik beleuchtete.

In Zahlen stellt sich die Publikumsbegeisterung für szenische Produktionen und Konzerte wie folgt dar: 226.900 Gäste aus 74 Nationen, darunter 35 außereuropäische, besuchten die 95. Salzburger Festspiele. Mit 95% konnte die Platzauslastung des Vorjahres nochmals um 2% gesteigert werden. Mit 28,64 Millionen Euro netto gab es einen neuen Rekord bei den Kartenerlösen.

Das Programm der Salzburger Festspiele 2015 bot 188 reguläre Veranstaltungen, 57 Sonderveranstaltungen und 16 Einlass- und Generalproben an 14 Spielstätten in den drei Sparten Oper, Konzert und Schauspiel.