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Haydn-Oratorien • Die Schöpfung

PROGRAMM

JOSEPH HAYDN • Die Schöpfung – Oratorium für Soli, Chor und Orchester Hob. XXI:2
Text von Gottfried van Swieten

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Nikolaus Harnoncourt, Dirigent
Genia Kühmeier, Sopran
Michael Schade, Tenor
Florian Boesch, Bass
Arnold Schoenberg Chor
Erwin Ortner, Choreinstudierung
Concentus Musicus Wien

Ohne Titel, © Eva Schlegel

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EDITORIAL 2013

Das Konzert 2013

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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Zyklus Haydn-Oratorien

Wenn Nikolaus Harnoncourt eine Aufführung erarbeitet, geht es ihm immer um eine Entdeckungsreise. Im Fall des Haydn-Oratorien-Zyklus’ bei den Salzburger Festspielen unternimmt er aber auch eine Expedition auf tatsächlich unbekanntes Terrain, denn zu den beiden deutschsprachigen Spätwerken – Die Schöpfung (1798) und Die Jahreszeiten (1801) – gesellt sich ein frühes italienisches Oratorium, das nie einen Platz im Repertoire erobern konnte: Il ritorno di Tobia, komponiert 1774/75 auf ein Libretto von Gian Gastone Boccherini; ein schwer zu realisierendes Stück von monumentalen Ausmaßen, das Sängern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, das Orchester vor schier unlösbare Aufgaben stellt – und beim Publikum Bibelfestigkeit voraussetzt.
Für Harnoncourt ergibt sich mit diesem Zyklus ein sehr komplexes Bild von Haydns Ausdrucksmöglichkeiten. „Der spezifische Witz findet sich ja in allen Werken“, sagt er; „in der Schöpfung tritt er am deutlichsten hervor, deshalb ist sie so populär. Die Jahreszeiten sind dagegen unterschätzt. Für mich sind sie ein Opus ultimum, eine Zusammenschau all dessen, was Haydn musikalisch darstellen wollte.“
Als Ergänzung zu diesen beiden großen Würfen verdient jedoch gerade Tobia besondere Aufmerksamkeit: „Nur für dieses Werk hat Haydn ein Orchester erfunden, das es zu dieser Zeit noch gar nicht gibt, mit einer Bläserbesetzung, die man bei Schumann erwarten würde, die Haydn aber ganz anders einsetzt; das geht über seine späten Oratorien weit hinaus. Und die Inhalte, die hier verhandelt werden, sind extrem modern. Um das zu verstehen, muss man allerdings die Geschichte gut kennen.“
Die Lektüre der Bibel, konkret: des Buches Tobit (Tobias) aus dem Alten Testament ist also zur Vorbereitung empfohlen. Dann ist man mit den Fakten vertraut, die im Text höchstens beiläufig erwähnt werden, und erlebt mit Staunen, wie es Tobias gelingt, seinen Vater von der Blindheit zu heilen und ganz nebenbei sein persönliches Glück zu finden. Vom überwältigenden Kunstgriff des Oratoriums wird man trotzdem überrascht. Dass der geheilte Vater das Licht nicht mehr ertragen kann und erst langsam daran gewöhnt werden muss, lässt auch das grandiose „Und es ward Licht!“ der Schöpfung in einem anderen Kontext erscheinen.

Monika Mertl