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2013
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2013

Mit El Sistema brachte Intendant Alexander Pereira im Sommer 2013 ein Projekt nach Salzburg, das in seinem sozialen und künstlerischen Erfolg weltweit einzigartig ist. „Physische Armut wird durch den geistigen Reichtum der Musik überwunden“, diese Überzeugung des Gründers und Festspielredners 2013, José Antonio Abreu, stand am Anfang einer Bewegung, die es bisher mehr als zwei Millionen Kindern in Venezuela ermöglicht hat, ein Instrument zu lernen, in den Ensembles und Orchestern des Landes zu musizieren und so neue Lebensperspektiven zu gewinnen. 1400 Kinder und Jugendliche kamen nach Salzburg, um in 14 Konzerten mit Dirigenten wie Gustavo Dudamel – selbst der wohl bekannteste El Sistema-Schüler – oder Sir Simon Rattle zu musizieren.

Das Opernprogramm 2013 stand im Zeichen der beiden Jubilare Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Die konzertant aufgeführten Frühwerke, Wagners Rienzi und Verdis Giovanna d’Arco und Nabucco, ließen Parallelen zwischen den gleichaltrigen Antipoden erkennen: Alle drei Werke handeln von Freiheitsstreben, Hybris und Vernichtung. Der von beiden Komponisten bewunderte Friedrich Schiller lieferte Verdi Jahrzehnte später den Stoff für seinen Don Carlo. In der Inszenierung von Peter Stein und unter der Leitung von Antonio Pappano, die gemeinsam eine neue Fassung mit bisher nicht gespielten Chorszenen erstellten, wurde diese Oper 2013 zu dem unvergleichlichen Festspielerlebnis. Zur selben Zeit wie Verdis Don Carlo entstand Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg. Die Regie von Stefan Herheim entführte die Festspielbesucher in eine fabelhafte Welt der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts, am Pult der Wiener Philharmoniker stand Daniele Gatti. Die vierte Verdi-Oper auf dem Spielplan 2013 war dessen Alterswerk „Falstaff“, inszeniert von Damiano Michieletto und in kammermusikalischer Besetzung dirigiert von Zubin Mehta.

2013 brachte auch den Auftakt zu einem neuen Zyklus der Opern Wolfgang Amadeus Mozarts und Lorenzo Da Pontes. Christoph Eschenbach und Sven-Eric Bechtolf gestalteten zu Beginn des Zyklus die letzte der drei Opern Così fan tutte. Mit Lucio Silla stand eine Koproduktion mit der Stiftung Mozarteum auf dem Sommerspielplan. Die von Pfingsten übernommene Oper Norma von Vincenzo Bellini mit Cecilia Bartoli war auch im Sommer ein vielbejubelter Erfolg. Mit einem Werk von zeitloser Modernität – Harrison Birtwistles Gawain – wurde das Opernprogramm eröffnet. Die Produktion in der Felsenreitschule war die erste seit der Uraufführung am Royal Opera House in London 1991. Als Leading Team zeichneten Ingo Metzmacher und Alvis Hermanis verantwortlich, die schon 2012 für Die Soldaten überwältigenden Zuspruch von Publikum und Presse erfahren hatten.

Das Herzstück der Salzburger Festspiele, Hugo von Hofmannstahls Jedermann, erfuhr im Sommer 2013 seine erst elfte Neuinszenierung seit 1920. Die Scheu vor einer neuen Auseinandersetzung mit dem Stück sieht Sven-Eric Bechtolf in dem übermächtigen Vorbild Max Reinhardt und gescheiterten Erneuerungsversuchen des Stückes, etwa durch Bertolt Brecht, begründet. Sven-Eric Bechtolf aber plädiert für eine immer neue Beschäftigung mit dem Jedermann-Stoff: „Der Jedermann war schon 1911 im Circus Schumann nicht zeitgemäß – im Unzeitgemäßen liegt sein Reiz. Nicht in der anti-modernen, restaurativ- katholischen und völkischen Gesinnung Hofmannsthals, sondern in der Einfachheit seiner Vorlage. [...] Der Jedermann stand am Beginn der Salzburger Festspiele. Max Reinhardt und Hofmannsthal haben ihn uns hinterlassen. Wir müssen uns mit dieser Hinterlassenschaft beschäftigen und uns zu ihr ins Verhältnis setzen, die Gültigkeit und Tauglichkeit des Stoffs, an die ich persönlich glaube, immer neu überprüfen und zu beweisen versuchen.“ Den Regisseuren Brian Mertes und Julian Crouch, die ihre Wurzeln in der amerikanischen und englischen Theatertradition haben, ist ein solcher Beweis der Gültigkeit des Stoffes auf fulminante Weise gelungen. Inspiriert vom Mysterienspiel des Mittelalters und mit Bezug auf die Salzburger Uraufführung und die Ideen der Festspielgründer haben sie eine Interpretation des Werkes geschaffen, die der Einfachheit und Unmittelbarkeit der Geschichte Rechnung trägt ohne die fundamentale Thematik des Stückes zu verkürzen. Mit der Prozession des Jedermann-Ensembles vom Festspielhaus zum Domplatz vor jeder Vorstellung ist eine einzigartige Hommage an Max Reinhardts Motto „Die ganze Stadt ist Bühne“ gelungen.

Einen dramaturgischen Anknüpfungspunkt zum Opernprogramm bildete im Schauspiel Friedrich Schillers Drama Die Jungfrau von Orleans. Auf der Perner-Insel war 2013 Nestroys Lumpazivagabundus zu erleben. Das „liederlichen Kleeblatt”, Nicholas Ofczarek als Schuster Knieriem, Michael Maertens als Schneider Zwirn  und Florian Teichtmeister als Tischler Leim, begeisterten Zuschauer und Kritik. Im Residenzhof gelang Regisseur Henry Mason mit der Verbindung von Shakespeares Stück Ein Sommernachtstraum mit der Bühnenmusik Felix Mendelssohn Bartholdys, eine beeindruckende Symbiose aus Schauspiel, Gesang, Tanz und Musik.

Im Konzertprogramm eröffnete die Ouverture spirituelle 2013 Einblicke in die shintoistisch-buddhistische Weltsicht. Mit dem Zyklus der Mahler-Symphonien und den Oratorien von Joseph Haydn unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt sind nur zwei weitere Höhepunkte dieses Sommers genannt.

Das Programm der Salzburger Festspiele 2013 bot 280 Veranstaltungen in 45 Tagen an 14 Spielorten in den drei Sparten Oper, Konzert und Schauspiel und konnte mit 286.301 Gästen so viele Besucher wie nie zuvor verbuchen.